Montag, 30. Mai 2011

Ökologie - Signum unseres Zeitalters

Joachim Radkau
Die Ära der Ökologie - Eine Weltgeschichte
C.H.Beck Verlag 2011. 782 S. mit 21 Abbildungen im Text, geb., ISBN 978-3-406-61372-2, 29,95 €
Die Ökologie ist das Signum unseres Zeitalters. Joachim Radkaus grandioses Buch lässt die neue Ära zum ersten Mal in ihrer ganzen Vielgestaltigkeit und globalen Bedeutung erfahrbar werden. Das Buch berichtet über ausschlaggebende Ereignisse und Erfahrungen wie die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl genauso wie über den Mythos des deutschen „Waldsterbens“ und beleuchtet die Zusammenhänge mit anderen historischen Strömungen. Es erzählt sowohl von spiritueller Suche und herausragenden Momenten als auch von Institutionalisierung und Bürokratisierung. Es porträtiert zentrale Initiativen wie Friends of the Earth oder Greenpeace und charismatische Vorkämpferinnen wie Rachel Carson, Petra Kelly und die Chinesin Dai Qing. Überhaupt zeigt Joachim Radkau, welch zentrale Rolle und beinahe mythisches Potential Frauen in der Umweltbewegung zukommt. Seine souverän erzählte und glänzend aufgebaute Darstellung macht klar: Trotz mancher bizarrer Episoden ist die Umweltbewegung die neue, wahre Aufklärung unseres Zeitalters; die fließende Vielfalt und immer neue Vernetzung der Motive unterscheidet sie von allen früheren großen Bewegungen der Geschichte.

Inhalt - Einleitung: Über die Geschichte zur ökologischen Geistesgegenwart

I. Spurensuche im Öko-Dschungel – Umweltschutz denken Chamäleon „Umweltschutz“ - Eine neue Ära der Weltgeschichte? - Statt einer einzigen Meistergeschichte ein Ensemble von Spannungsszenarien

II. Umweltbewegungen vor der Umweltbewegung Von Rousseau bis zur Romantik: Naturkult und „Holznot“ - Erstes Zeitfenster: Die lange Jahrhundertwende von Naturschutz und Lebensreform - Umweltaktivismus im „nervösen Zeitalter“ - Umweltsorgen der Krisenzeit: New Deal und NS-Deutschland - Think Big! Charismatisches Zwischenspiel auf olympischer Höhe
III. Die „ökologische Revolution“ um 1970Zweites Zeitfenster: Die Jahre der „ökologischen Revolution“
Die große Kettenreaktion

IV. Die großen Dramen der Umweltbewegung1. Das ewige Wechselspiel zwischen vernetztem Denken und praktischer Priorität - Zur Ökologie des Ökologismus - Die Leitmotive Wasser und Atom - Ein immer neuer Szenenwechsel: Vom „Waldsterben“ bis zum Dioxin-Alarm
2. Charismatiker und Ökokraten - Spirituelle Suche und charismatische Momente - Zwölf Heroinen: Inkarnationen weltweiter Spannungsfelder der Umweltbewegung - Institutionalisierung, Routinisierung, Revitalisierung
3. Freund-Feind- oder Win-Win-Szenario? - Von der Kernkraft bis zum Fleckenkauz: Zur Frage der Kreativität von Konflikten - Das grüne Gewissen vor der Gewaltschwelle - Ökologie und Ökonomie: Die große Herausforderung
4. Die Zeitenwende um 1990 – Von der sozialen zur Generationen-Gerechtigkeit? - Drittes Zeitfenster: Die Umweltkonjunktur von Tschernobyl bis Rio, 1986–1992 - Tschernobyl und der Zerfall der Sowjetunion  - Die Suche nach ökologischer Gerechtigkeit
5. Umweltpolitik zwischen Globalisierung und Antiglobalisierungsbewegung - Schluss: Die Dialektik der grünen Aufklärung - Postskript: Ökologische Kommunikation konkret

Anhang - Anmerkungen - Bildnachweis - Personenregister

Leseprobe (pdf)

Freitag, 27. Mai 2011

Thema: Mißbrauch

Adriana Stern:Jockels Schweigen
ab 14 Jahren, 320 S., geb., ISBN 978-3-941787-26-1, € [D] 14,95, € [A] 15,40, SFr 23,50
Als der 16-jährige David hinter dem Rücken seiner Eltern den Agenturvertrag für seinen kleinen Bruder Jockel unterschreibt, nimmt eine ungeahnte Katastrophe ihren Lauf. Schon kurze Zeit später bemerken David und seine Eltern schlimme Veränderungen an Jockel. Gemeinsam mit seiner ersten Liebe Julie kommt David einem schrecklichen Verbrechen auf die Spur... Adriana Sterns Roman fesselt durch Spannung und Romantik, informiert über die perfiden Methoden pädophiler Kreise und sensibilisiert für Anzeichen von sexuellem Missbrauch.
Seit der 11-jährige Jockel eine Casting-Agentur für junge Schauspieltalente aufsucht, hat er sich vollkommen verändert, er ist aggressiv und zieht sich gleichzeitig zurück. Doch nicht nur Jockel gibt David Anlass zur Sorge: Auch sein bester Freund Chip, mit dem David seine große Leidenschaft für Computerspiele teilt, legt zunehmend diese beunruhigende Mischung aus Aggressivität und Verschlossenheit an den Tag. Und woher hat Chip in letzter Zeit so viel Geld? Und warum ist er dermaßen ausgeflippt, als Jockel ihm erzählt hat, dass er sich bei dieser Filmagentur bewerben will? Gemeinsam mit seiner Freundin Julie kommt David hinter das schreckliche Geheimnis, das nicht nur Jockel, sondern auch Chip so lange hat schweigen lassen.

Rezension dieses und weiterer Themenbücher:
"Wofür die Worte fehlen" (dradio)

Freitag, 20. Mai 2011

Ein Lesebuch von Michael Ende

Michael Ende, Roman Hocke (Hrsg.)
Zettelkasten - Skizzen & Notizen
Piper Verlag 2011, 320 S., kt., ISBN: 9783492263566, € 10,95 [D], € 11,30 [A], sFr 17,50
Ein wunderbares Lesebuch aus der Werkstatt des beliebten Autors. Es enthält bislang unbekannte Geschichten und Gedichte, Romaneinfälle, Balladen und Lieder voller Poesie. Von Michael Ende selbst zusammengestellt, vermitteln sie nicht nur überraschende Sichten auf unsere heutige Zeit, sondern erstmals Einblicke in die Gedankenwelt des Schriftstellers. Seine literarischen und philosophischen Notizen sind ein Zeugnis seiner vielseitigen Schöpferkraft und bringen den Meister der Fantasie seinen Lesern ungewöhnlich nahe.

Michael Ende, am 12. November 1929 in Garmisch geboren und am 28. August 1995 in Stuttgart gestorben, Sohn des surrealistischen Malers Edgar Ende, wuchs in München auf, wo er die Schauspielschule besuchte und für ein Kabarett und den Rundfunk zu schreiben begann. Er war einer der größten phantastischen Autoren des 20. Jahrhunderts, weltberühmt durch seine unvergänglichen Jugendbuch-Klassiker wie »Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer«, »Momo« und »Die unendliche Geschichte«, deren Verfilmung zu einem internationalen Erfolg wurde. Michael Ende lebte abwechselnd in Deutschland und in Italien.

Dienstag, 10. Mai 2011

Erfahrungen mit HIV/AIDS

Matthias Gerschwitz
Endlich mal was Positives
96 S., Ppb., ISBN 978-3-8391-1843-6, € 9,95
Es gibt viele Bücher zu HIV und AIDS, aber nur wenige, die einen direkten Einblick in das Leben mit dem Virus geben. In Endlich mal was Positives beschreibt Matthias Gerschwitz, der 1994 das Testergebnis HIV positiv erhielt, seinen Umgang mit der Infektion ohne Larmoyanz oder Betroffenheitspathos, sondern optimistisch und zuweilen auch etwas provokativ. Das Buch soll Mut machen und informieren: Es wendet sich nicht nur an Positive, insbesondere Neu-Infizierte und ihre Freunde und Verwandte, die sich plötzlich auf eine veränderte Lebenssituation einstellen müssen, sondern auch (und besonders) an diejenigen, die bislang keine Notwendigkeit sahen, sich mit der Infektion zu befassen, weil sie immer noch glauben, sie wären von HIV nicht betroffen. Eine trügerische Einstellung, denn es kann jeden treffen, egal, ob Mann oder Frau, ob homo-, bi- oder heterosexuell. Das Virus ist nicht wählerisch.

Endlich mal was Positives ist teils Erfahrungsbericht, teils Statement. Das Buch zeigt, dass man auch mit HIV das Lachen nicht verlernen muss und mit einer unheilbaren Krankheit zukunftsorientiert leben kann. Und das ist doch endlich mal was Positives.

Samstag, 7. Mai 2011

Tabuthema (Jugend)-Depression

Silvia Kirschner
Die Geschichte eines Mädchens - Wie eine Jugendliche ihre Depressionen überwindet
Books on Demand, 88 S., Ppb., ISBN 978-3-8370-6348-6, € 9,95
Mit Tränen, die vor Kummer nicht ans Tageslicht kommen, mit Gefühlen, die im Dunkeln verschlossen bleiben, hat Maria zu kämpfen. Von Kindheit an muss sie immer wieder düsteren Stimmungen widerstehen. Maria verdrängt diese, um ihrer Familie und ihren Freunden weiterhin das immer lustige und einfallsreiche Mädchen vorzuspielen, das alle so lieben. Doch die Schauspielerei zehrt an ihren Kräften. Immer öfter wird sie nun auch von körperlichen Problemen heimgesucht, deren Ursachen unklar bleiben. Der wahre Grund: Maria leidet an chronischen Depressionen. Schließlich versucht sie den Druck auf ihrer Seele zu kompensieren und es kommt so, wie es wohl kommen musste: sie fügt sich selbst Verletzungen zu ...
Die Autorin Silvia Kirschner, geboren 1980 in Oberösterreich, erzählt in dem aktuellen Werk "Die Geschichte eines Mädchens" eine wahre, ihr zugetragene Leidensgeschichte, die sich besonders durch den kulturellen Wert ihrer Botschaft auszeichnet. Die dreifache Mutter berichtet mittels Erzählungen und auch Tagebuchausschnitten über tiefgründige Details der leider immer häufiger auftretenden Bevölkerungskrankheit: der Depression.

im Blog der Autorin

Donnerstag, 28. April 2011

Farben regen unsere Sinne an


Klausbernd Vollmar: Das grosse Buch der Farben
Ppb., 288 S. durchgängig farbig, ISBN 978-3-86826-109-7, € [D] 14,90
Farben bestimmen unser Leben, machen es bunt, regen unsere Sinne an und steigern unsere Kreativität. Unsere Vorliebe für besondere Farben sagt viel über uns aus. Dieses Buch hilft Ihnen, das Grau im Alltag zu überwinden. spielerisch und unterhalrtsam vermittelt es ein vielfältiges Wissen über Farben.
Seit mehr als 30 Jahren beschäftigt sich Klausbernd Vollmar, Diplompsychologe, Experte für Symbole und Träume mit der Wirkung von Farben auf unser Leben.

 
Aus dem Inhalt:
Psychologie und Symbolik der Farben
Einrichtungstipps
Frabtypen, Kleidung und Make-up
Wirkung verschiedener Farben aufeinander
Farbenlehre von Newton, Goethe bir zur Moderne
Volkswissen und Mythologie
Herkunft der Farbbezeichnung und Pigmente
Wichtige Tipps für Kunstmaler und Handwerker
Heilen mit Pflanzen, Steinen und Farben
Farbmeditationen und Wahrnehmungsübungen

Mittwoch, 20. April 2011

"Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt." (Khalil Gibran)

Martine Goerigk
Bäume - Eine Reise durch Zeiten und Kulturen
Echino Media Verlag, 312 S., über 300 Farbabbildungen, Hardcover, Fadenheftung, ISBN 978-3-937107-21-9, 29,95 €
Bäume begleiten den Menschen seit Anbeginn seines Daseins. Sie beeinflussten seine Lebensweise, seine Denkweise und drangen bis in seine Glaubenswelt. Bäume haben die Kulturen und Bräuche der Menschheit weitaus mehr mitgestaltet, als es dem heutigen Menschen bewusst ist.

Wer weiß, dass in manchen Alpengebieten nicht der Storch, sondern eine Lärche die Babys bringt? Wem ist bekannt, dass ein hohler Baobab als Grab dienen kann, dass der Schraubenbaum weite Segelreisen ermöglichte und dass große Parfüms den Bäumen entstammen? Dass das Land Brasilien seinen Namen einem Baum verdankt, den die Europäer zuerst ausplünderten? Und wem ist wirklich bewusst, dass die Entdeckung der Welt vielleicht anders verlaufen wäre, ohne die Suche nach den sagenhaften Gewürzbäumen?

In diesem Buch geht es um die Bäume der Welt, um bekannte und unbekannte, vertraute, geheimnisvolle und exotische Bäume, um ihre markanten Eigenschaften, ihre Dienste für die Menschen, um ihren Wert und ihre Stellung in der Weltanschauung, um Verbundenheit, Sinnlichkeit und Zauber. Das Buch will eine informative und abwechslungsreiche Reise quer durch alle Kontinente bieten und berührt historische, botanische, volkstümliche Aspekte – manchmal von lokaler Bedeutung, manchmal von weltumfassender Tragweite. Ohne stereotypes Muster erzählen die einzelnen Beiträge von Kastanien- und Weihrauchbaum, von Eiche und Banyan, von Birke, Olivenbaum, Eukalyptus, Dattelpalme, Kautschukbaum, Iroko oder Ombú, und fügen so fast mosaikartig ein komplexes Bild zusammen, welches die enorme Vielfalt der Baumwelt und die Wechselbeziehungen mit den Menschen veranschaulichen will.


Inhaltsverzeichnis (kurzer Auszug):

I Die Bäume haben eine Geschichte
I.1. Von der Entstehung der Bäume
I.2. Die Begegnung der Bäume mit den Menschen
I.3. Bäume verändern die Welt

II. Die Dienste der Bäume – nährend, heilend und genussvoll
II.1. Die süßen Früchte der Bäume
II.2. Nährende Bäume
II.3. Heilende Bäume
II.4. Bäume und Zivilisation

III. Bäume für Sinne und Seele
III.1. Bäume voller Farben und Düfte
III.2. Bäume der Liebe und Sinnlichkeit
III.3. Bäume voll Magie und Zauberkraft
III.4. Bäume im Glauben der Menschen

IV. Bäume aus aller Welt
IV.1. Bäume in unseren Breitengraden
IV.2. Bäume am Mittelmeer
IV.3. Bäume auf dem afrikanischen Kontinent
IV.4. Bäume in Asien
IV.5. Bäume der Südsee
IV.6. Bäume Amerikas
IV.7. Bäume ohne Grenzen
IV.8. Bäume der Antarktis

V. Bäume in der modernen Welt
V.1. Bäume heute

Leseprobe
und ausführliches Inhaltsverzeichnis 

Clown Dimitri

Dimitri: Humor
Gespräche über die Komik, das Lachen und den Narren
128 S., 8 Illustrationen, ISBN 978-3-7235-0900-5, 12,00 €
Mit Beiträgen u.a. von Michael Birkenmeier, Masha Dimitri, Franz Hohler, Erich Holliger, Gardi Hutter
 
«Schaut ihn an, sage ich, das ist ein wirklicher Clown. Was ist ein wirklicher Clown? Das weiss ich nicht, aber schaut ihn an: Er kann schon allerhand und immer noch etwas mehr und dann ist er selig, wenn noch mehr gelingt, sogar das Unglaubliche. Man freut sich wie mit einem Kind, das die Tücke aller Dinge entdeckt und wie durch ein Wunder nicht strauchelt. Ich bin in jedem Augenblick gespannt, aber dann hat immer jemand gelacht, einfach laut gelacht, als wäre er allein, nicht wie man über einen Witz lacht, sondern gelacht vor Freude wie ein Kind; das war ich und der Clown heisst Dimitri». (Max Frisch)

Sonntag, 17. April 2011

Man sollte seine Träume ernst nehmen

Edeltraud Parensen
Sawubona - Begegnungen in Südafrika

Monolith Verlag, ISBN 978-3-941666-02-3 , 88 Seiten, 8,90 Euro
Das Buch lässt Begegnungen mit Menschen in Südafrika lebendig werden - abseits der Routen des Tourismus, jenseits von Shakaland und Gardenroute. Die Autorin hat hingeschaut und zugehört bei ihren Aufenthalten in Südafrika. Sie sah den mühsamen Alltag auf dem Land, lernte Menschen kennen, die für ihre Träume kämpften, aber auch solche, deren Hoffnungen scheiterten ... In einem literarisch sehr ansprechenden Stil schildert sie ihre Erfahrungenin einem Land mit großen Gegensätzen

"Dass ich bei all dem und trotz allem Schweren viel mehr gelacht habe als in Deutschland, dafür sage ich den südafrikanischen Gesprächspartnern ein ganz besonderes Ngiyabonga — Danke!", schreibt Edeltraud Parensen.

... „Sawubona!" Mit diesem Wort grüßt man sich im Zululand. Es heißt wörtlich: „Ich habe dich gesehen!" Ich habe es jeden Tag gehört, besonders, wenn ich zu Fuß zur Schule unterwegs war. Als Weiße unter Zulus war ich ja auch nicht zu übersehen. „Yebo, sawubona!", war dann meine Antwort. Ja, ich habe dich gesehen ...
Ich bin dankbar, dass ich einen Blick auf das Leben der Menschen im ländlichen Südafrika haben durfte. So erfuhr ich von den Mühen ihres Alltags, den sie geduldig meistern, aber auch vom Scheitern ihrer Hoffnungen. Ich lernte strebsame, lebensfrohe junge Leute kennen, die hart für ihre Träume kämpften, aber auch solche, die für sich keine Zukunft sahen. Das wachsende Ausmaß und die tragischen Folgen von HIV/Aids waren täglich sichtbar.

Gespräche mit jungen Zulus ließen mich nachdenken über die Auswirkungen von Traditionen, die heute noch Geltung haben. Und dies alles erlebte ich in einem modernen Südafrika, das global vernetzt ist, und in dem die Jugend hochmotiviert den Zugang zu moderner Technik sucht. Entwicklung verläuft eben nicht kongruent. Man kann zu Hause mysteriöse Rituale für die Ahnen zelebrieren und daneben Elektrotechnik studieren ...


Freitag, 15. April 2011

Menschenwürde ist empfindlich wie ein Schmetterlingsflügel

Barbara Naziri (Hrsg.)
antastbar - Die Würde des Menschen …
Henss Verlag 2010, 139 S., br., ISBN 978-3-939937-12-8, 12,80 €
"Ich habe das vorliegende Buch in einem Rutsch durchgelesen. Es hat mich gepackt vom ersten bis zum letzten Wort. Ein bunter Strauß Geschichten aus verschiedensten Lebensbereichen. Die Erzählungen haben eines gemeinsam: sie sind berührend und authentisch, erschreckend und bewegend zugleich. Ein Plädoyer gegen die Gleichgültigkeit. Sie schildern das Unberechenbare des Menschen und seine Grausamkeit, wie auch seine Größe und Würde. Die Geschichten dokumentieren, wie antastbar die Unantastbarkeit der Menschenwürde ist. Sie berichten von Verzweiflung, Mut und Feigheit. Keine Geschichte wird den Leser unberührt lassen. Jede ist ein literarisches und zeitloses Dokument. Jede hat ihre Botschaft. Läse man sie einzeln in einer Tageszeitung, würden sie vielleicht erstickt von der Fülle üblicher tagesaktueller Nachrichten. Sie wären der Gefahr des Vergessens ausgeliefert. Jedoch hier, aneinandergereiht, verdichtet zu einem größeren Bild, vermögen sie eine ungleich stärkere Kraft zu entfalten, prägen sich tiefer in das Gedächtnis und Gewissen ein, setzen Gedenksteine für die Geschundenen, Mahnmale für die (Noch-)Nichtbetroffenen ..." Aus dem Vorwort von Rüdiger Nehberg

Inhaltsverzeichnis: Vorwort der Herausgeberin - Vorwort von Rüdiger Nehberg - Claudia Duhonj-Gabersek: Die rote Blume - Agnes Jäggi: Das Paradies - Barbara Naziri: Das Lied - Uwe Hartig: Ein Geschenk - Gernot Jennerwein: Der Russe - Marc Hecht: Und doch nicht ...! - Josef Kleinmann: Eiskrem - Bea Severin: Der Traum vom Zauberwort - Christian Heynk: Kaspar Hauser 2025 - Karin Reddemann: Ganz schnell und doch nicht - Michalea Godefroy: Menschenwürdig? - Nils Pickert: Olympisches Feuer - Olympe Lully: Die Quadratur des Kreises - Barbara Naziri: Der Drachentöter - Bernadette Reichmuth: Nachbarinnen - Marianne Schaefer: Spuren im Schnee

Donnerstag, 14. April 2011

Ein Bahnhofsprojekt macht Furore: Stuttgart21

  

Volker Lösch / Gangolf Stocker / Sabine Leidig / Winfried Wolf (Hg.)
Oben bleiben! – Die Antwort auf Heiner Geißler
März 2011, Vorwort von Walter Sittler, Neue Kleine Bibliothek 163, 110 S. mit s/w-Abb., ISBN 978-3-89438-465-4, EUR 7,00 [D]; EUR 7,20 [A]; SFR 12,50
Der Faktencheck zu Stuttgart 21, der unter Federführung von Heiner Geißler stattfand, hatte ein eindeutiges Ergebnis: Die Befürworter wurden von den Kritikern Punkt für Punkt widerlegt. Hatten sie auch keine überzeugenden Argumente, so half ihnen zu guter Letzt der »Schlichter« aus der Bredouille. Wie grotesk dessen Schiedsspruch ausgefallen ist, wird in diesem Buch nachgewiesen. Damit wird zugleich unterstrichen, dass das Ziel auch weiterhin nur heißen kann: Oben bleiben! Beiträge von Eberhard Happe, Sabine Leidig, Volker Lösch, Arno Luik, Fritz Mielert, Jürgen Rochlitz, Hannes Rockenbauch, Dieter Rucht, Walter Sittler, Gangolf Stocker, Carl Waßmuth und Winfried Wolf.

Volker Lösch / Gangolf Stocker / Sabine Leidig / Winfried Wolf (Hg.)
Stuttgart 21 – Oder: Wem gehört die Stadt
Vorwort von Walter Sittler, Neue Kleine Bibliothek Nr. 159, 200 S. mit zahlr. s/w-Abbildungen, ISBN 978-3-89438-450-0, EUR 10,00 [D]; EUR 10,30 [A]; SFR 17,50
Gegen das bombastisch als »Stuttgart 21« angepriesene Milliardengrab hat sich frühzeitig ein engagierter und phantasievoller Widerstand entwickelt. Inzwischen wird von einer Volksbewegung, ja von einem Volksaufstand gesprochen. Dabei geht es aber längst nicht mehr nur um ein äußerst dubioses Bahnhofsprojekt. Es geht auch darum, dass die Gelder, die hier verschwendet werden sollen, anderweitig dringend gebraucht werden: Für soziale Aufgaben, Bildung, Kultur oder sinnvolle Infrastrukturmaßnahmen. Und es geht um die Arroganz der Macht, die von den Betreibern des Projekts hemmungslos zur Schau getragen wird. Dem steht das Aufbegehren einer breiten Mehrheit entgegen, die sich nicht für dumm verkaufen und entmündigen lässt. Kurzum: Es geht wesentlich auch um Demokratie. Herausgeberin und Herausgeber, Autorinnen und Autoren des Buches gehören der Bewegung gegen Stuttgart 21 an. Sie repräsentieren die Breite der Protestbewegung und beweisen, dass die Projektgegner die besseren Argumente auf ihrer Seite haben.Daran vermag auch der »Schiedsspruch« eines Heiner Geißler nichts zu ändern.
Inhaltsverzeichnis

Der Podcast zum Roman zu Stuttgart 21 auf literaturcafe.de 

»Wo die Löwen weinen«

Mittwoch, 13. April 2011

Von Bildern und Künstlern

Charlie Ayres: Die schönsten Bilder der Welt und ihre Geschichten
96 S., Hardcover, ISBN 978-3-8321-9332-4, EUR 18,95 [D], 23,50 sFr.
Fünf Millionen Menschen besuchen in jedem Jahr Leonardo da Vincis ›Mona Lisa‹ im Louvre in Paris. Und noch immer wissen wir nicht, wem ihr geheimnisvolles Lächeln gilt. Während Jan van Eyck seine ›Arnolfini Hochzeit‹ so präzise malte, dass kein einzelner Pinselstrich zu erkennen ist, liegt der Zauber von Georges Seurats ›Ein Sonntagnachmittag auf der Insel La Grande Jatte‹ in den fröhlich nebeneinander getupften Farbpunkten.Seit Hunderten von Jahren malen Künstler historische, mythologische oder religiöse Geschichten und Stillleben, Porträts und Landschaften, pompöse Historienschinken oder kleinformatige zarte Bilder. Ganz selten gelangen den Großen unter ihnen Meisterwerke. 
Dieses Buch handelt von zwanzig dieser bedeutenden Bilder. Es betrachtet ihre Entstehung, für wen sie gemalt wurden, was die Menschen damals über sie dachten und was wir heute in ihnen lesen können. Mit ihrer genauen Betrachtung begegnen wir zugleich derWelt ihrer Maler. Große Gemälde und ihre spannenden Geschichten Spielerische Bildbetrachtung Von der Erfolgsautorin von ›Das Leben der großen Künstler‹


Charlie Ayres: Das Leben der großen Künstler 
96 S., Hardcover, ISBN 978-3-8321-9107-8, EUR 17,90 [D], 27,50 sFr.

Dieses Buch bringt Jung und Alt ebenso originell wie spannend das Leben und die Arbeitsweisen von 20 weltberühmten Künstlern näher – allesamt Klassiker der Kunstgeschichte: Giotto, Leonardo, Michel­angelo, Dürer, Raffael, Tizian, Hans Holbein d.J., El Greco, Caravaggio, Artemisia Gentileschi, Bernini, Velázquez, Rembrandt, Goya, David, Turner, Delacroix, Manet, Monet und van Gogh.

Die jungen Leser reisen durch die Künstlerateliers im mittelalterlichen Deutschland, im Italien der Renaissance oder im Frankreich des 19. Jahrhunderts, wo ihnen die Künstler selbst den Entstehungsprozess der berühmten Meisterwerke lebendig schildern. Es ist, als könne man die Farbe riechen, den Meißel am Marmor hören oder die Druckerpresse in Aktion bestaunen. Die wunderbaren Abbildungen zeigen neben einem Porträt jedes Künstlers die berühmtesten Werke mit interessanten Details. Die Bildunterschriften liefern Informationen zu den Arbeiten oder amüsante Anekdoten zu deren Entstehungsprozess.

Montag, 11. April 2011

Literarische Ostergeschichten

Daniel Kampa (Hrsg.)
Nicht schon wieder Ostern!
- Hinterhältige Ostergeschichten
detebe 23745 br., 320 S., ISBN 978-3-257-23745-0, € (D) 9.90, sFr 17.90, € (A) 10.20
Kaum stehen die letzten Schokoladen-Nikoläuse zum halben Preis an der Kasse, werden sie auch schon eingeschmolzen und zu Eiern gepresst: Nicht schon wieder Ostern!, denken viele.

Jetzt gibt es zum Gefühl des Überdrusses die ultimative literarische Sammlung von hinterhältigen Geschichten und Gedichten zum Osterfest: Erzählt wird vom traditionellen Osterspaziergang (Goethe und Kurt Tucholsky), vom Ostertisch (Siegfried Lenz), den Osterferien (René Goscinny), der Osternacht (Anton Cechov), der Entlarvung des Osterhasen (Erich Kästner) oder gar von ewigen Ostern (Joseph Roth). Daneben schreiben Joachim Ringelnatz, Kurt Tucholsky, Patricia Highsmith, Martin Suter und viele andere über Hühner, Eier oder Hasen. Und Ingrid Noll hat exklusiv für dieses Osterlesebuch eine Erzählung geschrieben, in der ein Meister Lampe es ganz faustdick hinter den langen Ohren hat.

Donnerstag, 7. April 2011

Ein abenteuerlicher Reise- und Schiffsbruchbericht

Jean Villain, Georges Keate
Nachrichten von den Pelew-Inseln in der Westgegend des Stillen Ozeans

BS-Verlag-Rostock, 167 S., Ppb., ISBN: 978-3-89954-024-6, 12,20 €
Leseprobe: Mittwoch, den 11. August 1783. Seitdem wir hier Schiffbruch erlitten, hatte es noch nicht so wild gestürmt und in solchen Fluten geregnet wie diese Nacht. Die Morgenröte brachte indes etwas gelindere Witterung, und der Bootsmann rief mit seiner Pfeife die Mannschaft an die Arbeit. Der Ton dieses Instruments war den Ohren der Eingeborenen zwar fremd, machte ihnen aber großes Vergnügen. Raa-Kuk besprach sich mit Kapitän Wilson, um ihm anzudeuten, daß dessen Bruder Matthias wegen des stürmischen Wetters nicht würde zurückkehren können. Gegen zehn Uhr fertigte man die Schaluppe nach dem Wrack ab; die am Strande zurückgebliebene Mannschaft fuhr unterdessen fort, den Platz zu ebnen und die Lebensmittel wieder zu trocknen. Es ward finster, ehe die Schaluppe wieder kam, und man war ihretwegen schon sehr besorgt gewesen. Die darin befindlichen Leute berichteten, daß die Insulaner das Schiff mit etlichen Kanus besucht, auch etwas Eisen und einige andere Sachen mitgenommen hätten.

Unter anderem hatte man auch das Kanu mit den drei Mann, welche zur Bedienung des Bruders des Königs zurückgeblieben waren, sehr stark in Verdacht, indem diese gleich nach der Schaluppe in See stachen, wiewohl man am Strande geglaubt hatte, sie wären auf Fischfang ausgegangen. Als unsere Leute beim Schiff ankamen, war gerade Ebbe. Sie konnten daher mit ihrem Fahrzeug nicht bis an das Schiff kommen, sondern mußten über einen Teil des Riffs waten, bei welcher Gelegenheit sie eines großen, durch den Boden des Schiffs gedrungenen Felsenstücks gewahr wurden, welches innerhalb desselben an zwei oder drei Stellen aus dem Wasser ragte; das Schiff war also eigentlich vom Felsen aufgespießt. Spuren des Besuchs der Eingeborenen waren vorzüglich im Aufenthalt des Wundarztes sichtbar, wo sie den Arzneikasten durchwühlt und verschiedene Medikamente gekostet, vermutlich aber nicht nach ihrem Geschmack befunden und daher ausgeschüttet, die Flaschen aber behalten und mitgenommen hatten. Im ganzen Kasten war nicht das mindeste zurückgeblieben, wovon man noch einigen Gebrauch hätte machen können.

Eine Rezension:

Dienstag, 5. April 2011

Töchter und Mütter

Julia Onken
Rabentöchter
- Weshalb ich meine Mutter trotzdem liebe
C.H.Beck 2011, 180 S., geb., ISBN 978-3-406-61338-8, 12,95 €
Die meisten Töchter wollen nicht werden wie ihre Mutter. Bloß nicht! Mütter genießen in unserer Gesellschaft keine besondere Wertschätzung. Im Extremfall verzichten Töchter deshalb sogar auf eigene Kinder. Doch die Ablehnung der Mütter läßt die Töchter den Kontakt zu sich selbst verlieren. Nur über die Rehabilitierung der eigenen Mutter finden die Töchter zu sich selbst und zu einer kraftvollen eigenen weiblichen Identität. Töchter sollten daher wissen, was ihren Müttern widerfahren ist, was sie an den Rand gedrängt hat – der Lebensweg der Mutter ist für die Tochter wichtig.

Auch für die Mutter ist die Beziehung zur Tochter in vielen Fällen problematisch. Auf die Zurückweisung der Tochter reagieren viele Mütter mit um so intensiveren Forderungen nach Zuwendung und Aufmerksamkeit – die Spirale der Ablehnung dreht sich weiter. Erst wenn es Mutter und Tochter gelingt, offen über die ambivalenten Gefühle zu sprechen, kann sich eine unbeschwerte, kraftvolle und für beide beglückende Beziehung entfalten. Die Bestsellerautorin Julia Onken gibt hier eine bewegende Anleitung, wie Frauen ihr Tochtersein akzeptieren und – gegebenenfalls – eine neue Mütterlichkeit entwickeln können.
Aus dem Inhalt:

1. Mutter, ich trage Dich wie eine Wunde auf meiner Stirn…
2. Hallo, Gemeinde
3. Zurück zu den Wurzeln
4. Die eigene Mutter
5. Wie die eigene Mutter das Selbstbild und die Beziehung zu anderen Frauen beeinflusst
6. Mit der besten Freundin auf der Suche nach weiblicher Identität
7. Schicht für Schicht Frauengeschichte freischaufeln
8. Drehbuch Muttermythos
9. Die schlecht bezahlte Hauptrolle
10. Demütigung Geld
11. Die Beschämung
12. Dem mütterlichen Erbe auf der Spur
13. Mütter sind Menschen
14. Vom Ende der Schuldgefühle
15. Vom Anfang einer neuen Mutter-Tochter-Beziehung

Montag, 4. April 2011

Segelschiff-Kalender 2012

Hanse Sail Rostock (Hrsg.): Kalender Hanse Sail 2012
Spiralbindung, Format 50,0 x 23,0 cm, ISBN 978-3-00-032914-2 , Euro 14,90
Zu den beliebten Publikationen des Hanse Sail Büros gehört, nicht nur bei Liebhabern von Windjammern und Schonern, seit vielen Jahren der »Hanse Sail Kalender«. Es ist ein Kalender, der auch schon vor seiner offiziellen Inbetriebnahme am 1. Januar 2012, zum Blättern verleitet. Sei es in Vorfreude auf die 22. Sail oder in Erinnerung an faszinierende Momente zurückliegender Sails.

Gegenstand des Kalenders, ist wie der Titel schon sagt, die Hanse Sail Rostock, mit Aufnahmen von Traditionsschiffen, die zu den Gästen des maritimen Festes zählten, aber auch von anderen Hafenfesten in Europa. Auf dem Titelfoto von Lutz Zimmermann segelt die »Greif« während der Regatta vor Warnemünde an der Spitze. Die Schonerbrigg mit Heimathafen Greifswald feierte 2011 ihren 60. Geburtstag. Nach dem Titel folgt das traditionelle »Baltic Sail Blatt« mit der Ankündigung der Traditions-segelveranstaltungen in Polen, Litauen, Schweden und Deutschland mit einem Foto der »Baltic Beauty«.

Donnerstag, 31. März 2011

Täter und Opfer der RAF – Angehörige beider Familien im Dialog

Julia Albrecht, Corinna Ponto
Patentöchter. Im Schatten der RAF
- ein Dialog
Kiepenheuer & Witsch, 240 S., geb., ISBN: 978-3-462-04277-1, Euro (D) 18,95, sFr 29,50, Euro (A) 19,50

Täter und Opfer der RAF – der erste Dialog von Angehörigen beider Seiteneng miteinander verbunden waren und die durch den Mord an Jürgen Ponto auseinandergerissen worden sind. Die Autorinnen werfen einen neuen Blick auf die – bis heute hauptsächlich von Außenstehenden gedeutete – Geschichte der RAF, die Rolle der Täter und die Wunden, die ihre Taten geschlagen haben.

30. Juli 1977: Jürgen Ponto empfängt Susanne Albrecht, die Tochter seines Jugendfreundes Hans-Christian Albrecht, in seinem Haus in Oberursel. Ihre Begleiter Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar schießen auf Jürgen Ponto. Corinna, seine Tochter, ist zu diesem Zeitpunkt zwanzig Jahre alt, Julia, Susannes Schwester, dreizehn Jahre.

Nach dem Mord war das Band zwischen den Familien durchschnitten. 30 Jahre danach nimmt Julia Albrecht – die Patentochter von Jürgen Ponto – Kontakt auf zu Corinna Ponto – der Patentochter von Hans-Christian Albrecht. Ein Briefwechsel entspinnt sich, eine erste Begegnung findet statt. Im Mittelpunkt ihres Buches stehen die Geschichte der RAF und der Umgang damit, die Fragen nach Schuld und den Hintergründen der Täterschaft, nach den Möglichkeiten von Aufarbeitung und Versöhnung. Und beide Frauen tauschen sich darüber aus, wie man mit den eigenen Kindern über diesen Teil der deutschen Geschichte spricht, der doch auch Teil der Geschichte ihrer Familien ist.

Mittwoch, 30. März 2011

Im An­ti-​Struw­wel­pe­ter sind Au­to­ri­tä­ten die Dum­men

F.K. Waechter: Der Anti-StruwwelpeterDiogenes Verlag, Hardcover Halbleinen, 48 S., ISBN 978-3-257-01142-5, € (D) 14.90, sFr 26.90, € (A) 15.40
Wer hätte das gedacht: F. K. Waechters Anti-Struwwelpeter ist längst volljährig. Die erste Auflage dieses klassisch umfunktionierten Klassikers erschien 1970. Ein Standardwerk der antiautoritären Erziehung, ein Nostalgiewerk der 68er-Generation – und noch immer die unerlässliche, schlaue und vergnügliche Erwiderung und Ergänzung zu Hoffmanns ›Struwwelpeter‹

Friedrich Karl Waechter, geboren 1937 in Danzig, heute Polen, arbeitete zunächst als Grafiker, dann für verschiedene satirische Zeitschriften und Zeitungen. 1966 publizierte er sein erstes eigenes Bändchen mit Zeichnungen und Cartoons. 1970 schaffte er den Durchbruch mit seinem berühmten ›Anti-Struwwelpeter‹. Für ›Der rote Wolf‹ erhielt er 1999 den Deutschen Jugendliteraturpreis. 2002 erschien der große Band ›Waechter‹, mit 589 Bildern aus 37 Jahren. F. K. Waechter starb 2005 in Frankfurt am Main.

"Bauz! Da geht die Türe auf,
und herein in schnellem Lauf
springt der Schneider mit der Schere.
Sieh! er rutscht und fällt ins Leere
über ein paar Schinkengrieben
die mit Seife eingerieben,
schlägt er nun der Länge lang
gegen Mutters Ofenbank."


»Ich versuche das, was einem passiert, was einen aufregt, in Form zu gießen, Persönliches gegen diese blöden, uninteressanten Trends der Zeit zu setzen.« F.K. Waechter

"... der Tod ist schwächer als die Liebe" (Khalil Gibran)

Erfahrungen im Umgang mit Tod und Sterben
Mit Beiträgen von Leserinnen und Lesern der Flensburger Hefte
180 S., kt., ISBN 978-3-926841-98-8, 15,00 €
Der Verlust eines geliebten Menschen durch den Tod gehört zu den einschneidendsten Erfahrungen, die man während des Lebens macht. Ohnmacht, Verzweiflung, Verlusterlebnisse umfassen die Seele wie eine eiserne Hand. Kann man diesen dunklen Gefühlen entrinnen, und ist es möglich, im Tod einen Sinn zu sehen?

In diesem Band schildern die verschiedensten Menschen ihre persönlichen Erlebnisse, wie sie mit diesem Verlust fertiggeworden und wie sie mit Tod und Sterben umgegangen sind. Die intimen Schilderungen lassen einen nicht nur teilhaben am Leben der betroffenen Menschen, sie machen diese Sammlung zugleich zu einem Buch über die Liebe. Glück und Trauer, Lebensgewinn und Verlusterfahrung liegen oft dicht beieinander.

Das Buch enthält u.a. Beiträge über: die Pflege eines sterbenden Menschen, die schmerzvolle Verlusterfahrung, die Trauer und Trauerarbeit, den Sinn des Todes, den Umgang mit Verstorbenen, Sterbebegleitung und die Arbeit im Hospiz, Träume vom Tod, Nah-Todeserfahrungen, Humor im Trauerfall.

Die Beiträge führen nicht nur die schweren Momente des Abschieds vor Augen, sondern sie zeigen auch, wie Sterben, Tod und Abschiednehmen einen würdigen Platz im Leben einnehmen können. Es sind bewegende Geschichten vom Sterben und vom Leben, von der Veränderung des Lebens durch den Tod.

Auszug aus dem Inhalt

Fritz Jordi: „So wie man lebt, stirbt man auch!“
Leben und Sterben der Eltern und der Schwiegereltern / Die Nah-Todeserfahrung – mein Damaskuserlebnis / Weltbilderweiterung mit Schülern / Lebensbewußtwerdung eines zum Tode Verurteilten.

Ingeborg Endres-Häusler: Den Abschied gestalten - Erinnerungen an eine Kindheit auf dem Dorf. Den Tod anerkennen / Der Tag der Beerdigung / Der Leichenschmaus / Die Toten ehren / Die alten Rituale tragen nicht mehr.

Edith Dörre: Ein Weg über den Regenbogen
Der Tod meiner Tochter Natanja-Sophia / Ein überirdischer Friede / Vom Engel berührt / Eine Schale mit Edelsteinen / Quellen der Heilung und des Lebens.

Hilde Both: Die „Leihgabe“
Eine Lebenserinnerung und der Tod meines Sohnes Helge / Ein wundersamer Traum / „Er war völlig furchtlos“ / Die Flucht / „Hüte Deinen Ältesten vor dem Wasser“ / Ein Sonntag im März / Ein Wahrtraum.

Hannelore Ingwersen: „Ich tausche meine Kraft gegen Deine Erschöpfung“ - Interview von Thomas Höfer
Die Palliativstation / Stationäre Hospize / Die ambulante Hospizarbeit / Hilfe für Sterbende / Der Betroffenheit kann sich niemand entziehen / Woher schöpfen die Helfer ihre Kraft? / Viele Kontakte bleiben bestehen / Das Erleben des Todes prägt das Lebensgefühl / Öffentlichkeitsarbeit / Die Fragen am Ende eines Lebens.

Hannelore Ingwersen: Persephones Schwestern oder: Die Trauer ist ein Tor. Erfahrungen von Frauen mit Trauer / Mit den anderen Verstorbenen zusammen / „Ich bin immer bei Dir“ / Wie ein Stromschlag / Ein hilfreiches Ritual / Wie ist es weitergegangen?

Friederike von Hodenberg: Sterben auf der Intensivstation.

Irma Barke: „Fürchte Dich nicht“ - Die Pflege meiner Mutter / „Ich gehe jetzt fort“ / Der Tod meines Vaters / „Vor Pfingsten ist noch eine Beerdigung“ / Ein unbeschreiblich schönes Licht.

Tobias Welter: Eine Liebesgeschichte
Meine Liebe zu Sabrina, die an MS erkrankt war / Der Beginn meines Zivildienstes / Die Pflege Sabrinas / Wie von einer Wolke umgeben / Ein Theaterbesuch / Ihr Lächeln wird mir immer im Gedächtnis bleiben / Im blühenden Garten / Ein weiterer MS-Schub / „Ich bin ja so schwierig“ / Ein innerer Konflikt / Die Signale waren eindeutig / Ihr Todestag / „Nehmt einander an, wie Christus uns angenommen hat“ / Weitreichende Folgen für mein Leben / Wir müssen es nur entdecken ...

Rigobert Ahr: Das ganz alltägliche Sterben
Erfahrungen in der Hauspflege / Das Sterben in harmonischer Umgebung / Der Tod und die Verzweiflung / Der Tod und die Kälte / Der Tod und die Suche / Mein eigenes Sterben / Einen Zugang zum eigentlichen Ich finden.

Volker zur Linden: „Ich war drüben!“ - Erzählung von einer Nah-Todeserfahrung.

Tanja Rehmer: Herzstillstand
Meine Nah-Todeserfahrung bei der Geburt meiner Tochter / In der Klinik / Ich schleuderte durch eine Art Tunnel / Wie auf einem fremden Planeten / Ärzte und Schwestern reagierten verunsichert.

Birgit Mommsen: Todesnähe
Meine Nah-Todeserfahrung bei der Geburt meines Sohnes / Begegnung mit dem Licht / Schwächeanfälle und Sehnsucht nach dem Licht / Sie ging in den Fluß / Die Kraft für mein weiteres Leben.

Gerhard Oberle: Begegnungen mit Isolde
Die Nähe meiner verstorbenen ehemaligen Verlobten / 41 Jahre später / Isolde hilft mir / Ich fühle ihre Anwesenheit / Als stünden wir beide vor einem Treffen.

Daniel Wirz: Fülle des Lebens

Ein Comic-Album zum Umgang mit Geld

Peter Zimmermann: Der Schatz von Wörgl

Holzhof Verlag, Heftformat, vierfarbig, 28 S. (inkl. Umschlag und redaktioneller Teil), ISBN 978-3-939509-93-4, 5,00 €uro
Staatsverschuldung, Wirtschafts- und Finanzkrise. Probleme, welche die Menschen heute wieder in Atem halten. Wiederholt sich hier die Geschichte? Sind die wahren Ursachen bislang verdrängt wurden? Wenn Geld nicht kreisen will, stehen alle Räder still. Das weiß 1932 auch Bürgermeister Michael Unterguggenberger nur zu gut. Der kleine Tiroler Ort Wörgl bleibt von der Weltwirtschaftskrise nicht verschont. Doch in schwieriger Zeit finden sich die Dorfbewohner und ihr Bürgermeister zu einer Nothilfe-Organisation zusammen, die in aller Welt für Aufsehen sorgt. Allerdings stehen der Aktion nicht alle wohlwollend gegenüber...

Autor Peter Zimmermann, Geschäftsführer des sächsischen Landesverbands der Humanwirtschaftspartei, schildert unterhaltsam und und historisch fundiert das Freigeldexperiment von 1932 - und zwar in Form eines Comics, in klassisch frankobelgischem Stil umgesetzt von Andreas Wehrheim, Mitglied der Comicbrigade Dresden, nach einem Szenario seines Brigadekollegen Mamei. Das Heft enthält außerdem vier Seiten Hintergrundinformationen über alternative Geldsysteme, die Geschichte hinter dem Freigeldexperiment sowie Silvio Gesell und seine Ideen über eine natürliche Wirtschaftsordnung, eine "Marktwirtschaft ohne Kapitalismus".

Weitere Informationen und eine Vorschau auf die Comics:

Dienstag, 29. März 2011

Von der Kunst der Orientierung ohne GPS und Navi

Tristan Gooley
Der natürliche Kompass
- Mit allen Sinnen unterwegs
Malik Verlag 2011, 288 S., geb., ISBN: 9783890293929, € 17,95 [D], € 18,50 [A], sFr 27,50
Vergiß GPS und Navi – folge einfach den Zeichen der Natur! Tristan Gooley ist ein Meister der natürlichen Navigation. Unterhaltsam beschreibt er, was Generationen vor uns ganz selbstverständlich beherrschten: die fast vergessene Kunst der Orientierung anhand des Himmels und der Natur.

Was zeigt die Krümmung eines Baumes an? Wie erkenne ich an Regenpfützen, wo Norden ist? Und was verrät der Sand unter unseren Füßen über Ebbe und Flut? Der sympathische Abenteurer Tristan Gooley zeigt, wie man sich in Landschaften und Städten, im Wald oder an der Küste orientieren kann – einzig mit den Sinnen. Ohne Landkarte oder GPS, nur mithilfe der Gestirne und Elemente. Dabei geht es nicht nur um Outdoorabenteuer oder Überlebenstraining, sondern um eine beeindruckende, einfach zu erlernende Kunst. Dieses Buch bringt uns bei, genau hinzuschauen, zu riechen, zu hören. Sowohl enthusiastische Nachahmer als auch Daheimgebliebene finden in der Mischung aus Fakten, Erfahrungsberichten, Mythen, Kulturgeschichte und Anekdoten eine spannende Lektüre.

Sonntag, 27. März 2011

Nordafrikanischer Blues (mit CD)

Frank Tenaille: Die Musik des Raï
mit Gratis-CD, Glossar, Serviceteil, Register

Palmyra Verlag, 180 S., 22 S/W-Fotos, geb., ISBN 3-930378-49-3 22,- (D), € 22,70 (A), SFr 39,50
»Ich ermuntere die Jugend, über verbotene Dinge zu sprechen.« (Khaled)

Der aus Algerien stammende Raï ist seit den achtziger Jahren eine der wichtigsten Formen moderner arabischer Musik. »Aïcha« und andere Welthits von Khaled, dem »König des Raï«, bescherten dem Raï seit den neunziger Jahren auch in Europa eine große Popularität. Mit dem Buch von Frank Tenaille erscheint erstmals in deutscher Sprache eine umfassende Gesamtdarstellung des »nordafrikanischen Blues«, wie der im kulturellen Meltingpot Oran entstandene Raï auch genannt wird. Ausführlich beschreibt der Autor die Geschichte des Raï vor dem Hintergrund der politischen, sozialen und kulturellen Entwicklung Algeriens von 1830 bis heute. Auf interessante Weise beschreibt Tenaille alle relevanten Raï-Aspekte: den Raï als Protestform gegen den kulturellen Mainstream und gegen den allgemein anerkannten Sit-tenkodex, die Konfrontation mit den Machthabern und den musikfeindlichen Islamisten, die musikalische Vermischung des Raï mit Rock, Reggae, Soul und Funk sowie den modernen Pop-Raï im Rahmen der vielfältigen Raï-Szene der maghrebinischen Immigranten in Frankreich. Abgerundet wird das vielfältige Bild mit einem Kapitel über die Sprache der mehrdeutigen Raï-Texte sowie fünfundsechzig Kurzportraits der wichtigsten Musiker und Sänger (u.a. Khaled, Cheb Mami, Fadela, Cheb Hasni, Cheikha Remitti, Rachid Taha). Aufgrund seiner Informationsfülle und des sehr umfangreichen Anhangs gilt das Buch als Standardwerk.

Frank Tenaille wurde in Okzitanien geboren und verbrachte seine Kindheit in Afrika. Er studierte Soziologie und Ethnologie und lebt heute als Journalist mit dem Spezialgebiet Weltmusik in Montpellier. Die beiliegende CD dokumentiert die Vielfalt der Raï-Musik. Sie enthält neben Aufnahmen der wichtigsten Musiker seltene historische Einspielungen.
 

Spannende Begegnungen im Mittelalter

Franjo Terhart
Die Geheimnisse meines Meisters Hieronymus Bosch - Historischer Roman
Edition Hamouda 2009, ca. 160 S. ISBN 978-3-940075-29-1, [D] 8,95 Euro
Kwinten van der Weyden, Sohn eines Schusters in Gent, entdeckt durch Jan van Eycks Genter Altarbild „Lamm Gottes“ seine Liebe zur altniederländischen Tafelmalerei und lässt sich nach den strengen Regeln der Malerzunft von seinem Onkel Petronius ausbilden. Als sein Vater dahinterkommt, zerstört er aus Wut ein erstes Bild seines Sohnes, woraufhin Kwinten dem Elternhaus endgültig den Rücken kehrt. Jahre später reist er als Schüler des berühmten Malers Hieronymus Bosch mit diesem nach Venedig. Er beginnt über seine Gespräche mit dem faszinierenden Künstler Bosch und die Erlebnisse der Venedigreise zu schreiben. Berühmte Künstler wie Giovanni Bellini, Carpaccio oder Giorgione kreuzen seinen Weg. Aber es drohen auch seltsame Gefahren, denen sich Meister und Schüler unvermutet gegenübersehen. Trachtet ihnen gar jemand nach dem Leben?

Der Roman stellt die wichtigsten Werke des sicherlich rätselhaftesten Künstlers Europas vor und versucht die Symbolsprache von Hieronymus Bosch zu entschlüsseln; zudem wird auf mittelalterliche Maltechniken und Arbeitsweisen eingegangen und die Werke einiger zeitgenössischer Maler werden vorgestellt.

Samstag, 26. März 2011

Hilfe für betroffene Kinder im Norden Japans

Gegen Kinderarmut e.V. unterstützt jetzt ein Kinderheim für Kinder und Jugendliche im Alter zwischen zwei und 18 Jahren in der Kleinstadt Ichinoseki, im Norden der Hauptinsel Honshū.

Die Leiterin des Heims, Schwester Caelina Mauer, Thuiner Franziskanerin aus Heede/Emsland, berichtete heute (19.3.2011) telefonisch:

„Vor allem die jüngeren Kinder zittern bei jedem Nachbeben vor Angst und verkriechen sich weinend. Alle Kinder und auch die Mitarbeiterinnen sind total erschöpft. Wir leben seit fast einer Woche mit unseren 60 Kindern in der Turnhalle, zunächst ohne Strom und Wasserversorgung. Es fehlt an Benzin und Heizöl – die Kinder frieren bei Temperaturen nachts unter null Grad.“ 

Angesichts des Leids und der Not sollen trotz dieser Umstände noch weitere Waisen- obdachlose Kinder aufgenommen werden.

Wenn Sie den Kindern in Ichinoseki helfen möchten spenden Sie jetzt hier:
Bankleitzahl:700 350 00 - Spendenkonto: 3325558919
Geldinstitut: Allianz Bank - Stichwort: Japan

Algernon Bertram Mitford
Das alte Japan - Sagen, Mythen, Märchen, Bräuche
neu eingerichtet und überarbeitet von Kim Landgraf, Mit zahlreichen Illustrationen japanischer Künstler
Anaconda Verlag, 559 S., geb., ISBN 978-3-86647-143-6, € 9,95, € 10,30 (A), sFr 18,50
Die über Jahrtausende gewachsene Kultur Japans beeindruckt und fesselt bis heute: Sehr eng sind die historische Überlieferung und das moderne Leben des inzwischen hoch technisierten Inselstaates miteinander verwoben. Fremdartig und bisweilen entrückt wirken die Schilderungen und Geschichten, die Mitford für sein 1871 erstmals erschienenes Buch »Tales of Old Japan« zusammentrug, so etwa die berühmte Erzählung von den »47 Ronin« oder der lange Bericht über das berüchtigte Harakiri, die rituelle Selbsttötung der Samurai. Der englische Autor und Diplomat A. B. Mitford (1837–1916) war von 1866 bis 1870 Attaché der britischen Gesandtschaft in Tokio. Bereits in jungen Jahren hatte er diplomatische Stationen in St. Petersburg und Peking durchlaufen und umfangreiche außenpolitische Erfahrungen gesammelt. Am nachhaltigsten jedoch prägten ihn die Erlebnisse während seines Dienstes in Japan. Zeitlebens bewahrte er sich die Faszination für Kunst und Folklore der Algernon Bertram Mitford