Donnerstag, 9. Juli 2009

Über Künstler und Kunst

Steen T. Kittl, Christian Saehrendt
Was will Kunst?
Campus Verlag 2009, 200 S., 68 farbige und s/w-Fotos, EAN 9783593386461, Euro 19,90, SFR 35,90
Warum gibt es eigentlich Kunst? Was will Kunst uns sagen? Und warum wird immer wieder leidenschaftlich über Kunst gestritten?
Die Bestsellerautoren Steen T. Kittl und Christian Saehrendt zeigen: Streit ist ein wichtiger Bestandteil der Kunstgeschichte. Die beiden Autoren erzählen vom abenteuerlichen Weg zur Freiheit, vom langen Kampf der Künstler und Künstlerinnen im vergangenen Jahrtausend. In mitreißenden Lebensskizzen manch berühmter, aber auch fast vergessener Künstler und intensiven Begegnungen mit wichtigen Werken wird die europäische Kunstgeschichte zu einer spannenden Lektüre.
Für viele verbindet sich mit Kunst die Vorstellung langweiliger Museumsbesuche. Dabei ist die Geschichte der Kunst so spannend wie allgegenwärtig. Denn die westliche Kultur hätte um ein Haar ganz anders ausgesehen, wenn der blutige Bilderstreit im Mittelalter anders entschieden worden wäre und sich die Christen dem Bilderverbot der Muslime und Juden angeschlossen hätten. Der Sieg der Bildenden Kunst stand auch danach auf dünnem Eis. Den europäischen Herrschern war die Macht der Bilder stets bewusst. Kunst konnte Propagandamittel sein, aber genauso den Keim einer Rebellion in sich tragen. Schon in der Renaissance entstand die Vision des freien Künstlers, der ohne Beschränkung ureigene Schöpfungen hervorzubringen vermag. Für dieses Ideal kämpften Künstler seit den Zeiten von Michelangelo. Verwirklichen konnte es die Kunst aber erst in der Moderne - und der Streit ist noch immer ihr zwielichtiger Begleiter ...
Rezension dradio Kultur (Auszug): " ... "Ein Maler malt, was er verkauft, ein Künstler verkauft, was er malt!" Pablo Picasso hat mit diesem Zitat treffend zugespitzt, dass der wahre Künstler allein seinem kreativen Schaffen verpflichtet ist und nicht einem Auftraggeber. Dabei begreift sich der Künstler als autonomer Mensch. Die von ihm geschaffene Kunst erst befähigt ihn dazu. Sie dient nur eigenen Zielen und Zwecken und ist - wie der Spieltrieb - ein natürliches Bedürfnis des Menschen. Aber: Die Kunst steht immer auch in einem gesellschaftlichen Zusammenhang, das machen Steen Kittl und Christian Saehrendt in ihrem überaus gelungenen Jugendsachbuch "Was will Kunst?" immer wieder deutlich ...
... Die gute Auswahl der Beispiele, die plastischen Beschreibungen, die Übersichtlichkeit und die Beschränkung auf Wegweisendes zum Thema Kunst machen das Buch für jugendliche Leser empfehlenswert - sieht man von ärgerlichen Rechtschreibfehlern ab. Vorbildlich erklärt werden die Fachbegriffe: ein fettgedrucktes Wort verweist immer auf einen kleinen Extratext im unteren Teil einer Seite, wo der Begriff knapp und verständlich erläutert wird; eine Kurzübersicht der Künstler schließlich rundet das Buch ab ... Zur Rezension

Dienstag, 7. Juli 2009

ZUM MITMACHEN: Deutschlands Schande: Kinderarmut - Der Verein "gegen Kinderarmut" lädt vor der Bundestagswahl ein nach Berlin

terre des hommes, Arbeitsgruppe Leipzig
Kinder-Armut. Eine Leipziger Geschichte.
Geschichten Leipziger Kinder über Armut, Schreibwettbewerb 2008: Anton-Philipp-Reclam Gymnasium, Friedrich-Schiller-Schule, Montessori-Schule Leipzig
Engelsdorfer Verlag 2009, TB, 122 S., ISBN-13: 978-3-86901-440-1, 8,80 EUR
"Aminata ist 13 Jahre alt und die Tochter von Biram Sow Fall, einem bekannten Wissenschaftler von der Universität Nairobi, der zu einem Kongress nach Leipzig eingeladen ist. In Nairobi wohnt sie in einem großen Haus in einem bewachten Villenviertel der Stadt und lernt in einer Privatschule neben Englisch auch Deutsch. Sie darf ihren Vater nach Leipzig begleiten. Auf dem Weg zum Tagungshotel sind aber Aminata und ihr Vater in die falsche Straßenbahn gestiegen und als sie schließlich aussteigen, staunt Aminata über das, was sie sieht. „Ich dachte, alle Deutschen sind reich“, sagt sie überrascht. Ein deutscher Junge, der ebenfalls an der Haltestelle steht, schaut sie überrascht an und sagt ... Leipziger Kinder zwischen 12 und 14 Jahren, bringen ihre Gedanken zum Thema Kinderarmut in Deutschland zu Papier, indem sie diesen Text fortsetzen. Das nunmehr vorliegende Buch ist nicht nur Spiegelbild unserer heutigen, sondern auch das unserer zukünftigen Gesellschaft.

Wir laden alle ein, uns tatkräftig zu unterstützen!
KUNDGEBUNG - BERLIN-Reichstag, 19.09.2009 - 18 Uhr
Wir umspannen den Reichstag in Berlin mit den gesammelten Händen "Painting Hands" und überreichen sie Vertretern der Regierung

"Painting Hands"

Bringt so viele farbige Hände wie möglich auf Leinwand oder Stoff, Banner oder Tüchern, dokumentiert Eure Aktion und sendet dem Verein Gegen Kinderarmut e.V Fotos oder Videos vom Aktionstag zu!

Jede, in bunten Farben gedruckte Hand steht symbolisch für ein in Armut lebendes Kind in Deutschland und soll dazu auffordern, nicht wegzuschauen, sondern etwas gegen Kinderarmut zu unternehmen !

Eine tolle Aktion! Wir wollen mitmachen, wie geht das? Nehmt Leinwand oder Papier, ein Tuch oder..., Pinsel, Farbe (Wasserfarben, Gouache oder Tempera; also auf jeden Fall ungiftig, abwaschbar von den Händen und auswaschbar aus den Klamotten) sowie Filzstifte für die Beschriftung der Abdrücke mit Euren Namen. Nun malt jeder seine Handfläche farbig an, drückt sie auf Eure gemeinsame Unterlage, Name dran schreiben, trocknen lassen – fertig.

Macht Fotos von der Aktion oder dreht vielleicht sogar ein kleines Filmchen, wenn Eure technische Ausstattung das erlaubt. Achtung: Alle Personen auf den eingesendeten Fotos und/oder auf dem Filmchen erklären sich mit der Einreichung damit einverstanden, dass die Bilder im Internet veröffentlicht werden! Und am Ende sorgt dafür, dass Euer Material bis zum 10.September 2009 ( Einsendeschluss) nach Berlin gelangt.



Bernd Siggelkow / Wolfgang Büscher
Deutschlands vergessene Kinder - Hoffnungsgeschichten aus der ARCHE

Gerth Medien 2007, 192 Seiten, geb. mit Bildteil, ISBN-10: 3865911870, ISBN-13: 978-3865911872, EUR 14,95 (davon 1 € an die Hilfsorganisation "Arche")
"Wir holen die Kinder von der Straße und geben ihnen ein warmes Essen und ganz viel Liebe." Bernd Siggelkow
In Deutschland leben über 2 Millionen Kinder unterhalb der Armutsgrenze. Viele von ihnen leiden nicht nur an materiellen Entbehrungen, sondern vor allem an mangelnder Zuwendung und Fürsorge. Bernd Siggelkow, Leiter des christlichen Kinder- und Jugendwerkes ARCHE, hat es sich zur Aufgabe gemacht, dagegen anzugehen.
Für täglich bis zu 700 Kinder ist die Einrichtung ein wahrer Rettungsanker - der Ort, an dem sie wirklich Kinder sein können und sich geborgen fühlen dürfen. Hier bekommen sie neben einer warmen Mahlzeit und vielen sinnvollen Freizeitangeboten das, was ihnen in ihrem oft chaotischen Leben in allererster Linie fehlt: Nestwärme und Aufmerksamkeit. Und sie erleben etwas von der Liebe Gottes, die für Bernd Siggelkow und seine Mitstreiter die Antriebsfeder für ihre Arbeit ist.
In diesem Buch finden Sie anrührende, erschütternde, aber auch hoffnungsvolle und zu Herzen gehende Geschichten über Kinder aus der ARCHE. Zum Beispiel die von Susann, einem sechsjährigen Mädchen, das sich so sehr nach einem Vater sehnt, dass es Bernd Siggelkow bei ihrer ersten Begegnung gleich fragt: "Möchtest du mein Papa sein?" Oder die Geschichte von Robert, einem neunjährigen Jungen, der sich zu Hause wie ein Erwachsener um seine kleinen Geschwister kümmern muss, aber in der ARCHE Gelegenheit bekommt, selbst wieder Kind zu sein.
Die Geschichten sind mutmachende Beispiele dafür, dass es für die vergessenen Kinder Deutschlands eine Perspektive geben kann. - Kinderprojekt Arche

Dienstag, 30. Juni 2009

Lizas Gruß aus Rußland an euch

Unsere Freundin, => Liza Dorogova <= aus Volshskij
(bei Wolgograd), hat für uns wieder eine Geschichte geschrieben und Bilder dazu gemalt: diesmal


Die Sage von Mörike und Mariano
Zur Erinnerung an die deutsche Teilung

Vorwort

An einem verregneten Vorabend bummelten wir, meine achtjärige Schwester Gunda und ich, durch die Strassen unserer Stadt. Leider konnte unser Spaziergang nicht lange dauern, denn unsere Stadt ist von einer Mauer umringt. Es ist eine sehr alte Mauer. Efeu rankt sich um die alten Steine, und ein besonders starker Wind weht neben dieser Mauer.

Meine Schwester fragt mich immer, warum die Mauer hier steht. Ich wollte ihr darauf immer nicht antworten. Denn die Geschichte, die mit der Mauer verbunden ist, schien mir zu traurig für ein so junges Herz zu sein…

Aber an dem Tag, von dem ich spreche, wurde es mir unmöglich weiter zu schweigen: es nieselte und das Herz wuchs mir sooo sehnsuchtsvoll…

***

Die Menschen wohnen entweder in den Städten oder in den Dörfern. Und die Tiere sind im Walde zu Hause. Und alle sind recht zufrieden. Nur zwei sind es nicht. Nur in zwei Herzen weht der kalte Scheidewind. Er, der rote Marder namens Mariano, und seine beste Freundin, Mörike, ein Menschenkind, sind durch diese Mauer getrennt worden.

Früher war die Welt nicht so gross. Sie bestand aus der einzigen Stadt, der unsrigen. Und umher war der Wald. Wie ein Meer umgab der grüne alte Wald diese kleine Insel von Menschenhäusern. Menschen und Tiere konnten einander besuchen, und viele waren befreundet.

Aber keine so grosse Freundschaft gab es im Wald, wie die von Mariano und Mörike. Eines Morgens sagte Mariano der Marder zu dem Mädchen: Liebe Mörike! Ich bin Dir gut. Lass uns heiraten. Dann werden wir jeden Tag in der Sonne spielen und über interessante Dinge diskutieren. Ja, Mariano, - sagte Mörike etwas verlegen und streichelte seinen Schwanz. Die Hochzeit wurde auf den nächsten Tag eingelegt.

Als aber der nächste Morgen kam, hat sich alles verändert. Denn um die Menschenstadt stand nun eine Mauer. In Tränen lief Mörike zurück in ihr Haus, als sie die Mauer erblickte. Sie wusste nicht, was nun zu machen sei. Sie war so traurig!

Wer hat denn die Mauer gebaut? – fiel mir die Schwester ins Wort.
- Die Menschen haben sie gebaut, Gunda. Sie waren eifersüchtig auf das kommende Glück des Mädchens und des Marders. Während einer Nacht haben Sie die Mauer gebaut!

Ganz verzweifelt war der Marder! Was konnte der kleine Kerl gegen dieses graue Ungeheuer! Jeder Tag dauerte eine Ewigkeit lang für ihn. Wie rasend rannte das arme Tier durch den Wald. Und so bis späte Nacht. So verging einige Zeit. Und einmal hörte Mariano eine zarte Stimme durch das Dickicht hervordringen:

Ellema wide,
Co Stroma lide,
Ellema adala,
We Rama nala.

(Das war jetzt wäldisch oder alttbäumisch, wie man es noch nennt) - Und so übersetzt man dieses Lied:
Alles vergeht,
Vom Winde verweht;
Alles zerbricht,
Nur die Liebe nicht.

Es war die Stimme Mörikes. Der Marder wurde nachdenklich. ”Alles zerbricht!”, - jubelte er plötzlich auf – Also wird die Mauer auch einmal zerbrechen!”.

Seitdem geht es dem Marder besser. Einmal dichtete er auch ein Lied für seine Freundin:

Mörike, ich vermisse Dich sehr.
Ich wusste aber nie vorher,
Dass Scheiden wirklich so weh tut,
Ich bin Dir, Mörike, immer gut!

Das ist die Sage von Mörike und Mariano. Keiner weiss, wie lange die treuen Herzen noch warten müssen, bis sie zusammen sind. Oder vielleicht sind sie schon zusammen. Hier endet diese Geschichte für uns und beginnt für die beiden.

Vielen Dank, liebe Liza

Mittwoch, 17. Juni 2009

Baikalsee: Natur und Kunst

Michael Feierabend und Ljudmila Peredneva
Baikal - Ein Traumziel über und unter Wasser
Kosmos Verlag 2009, 192 S., 160 Abbildungen, ISBN 978-3-440-11732-3, 29,90 EUR [D]

Der Baikal - das "blaue Auge der Erde" - ist der älteste Süßwassersee der Erde und seit 1996 Weltkulturerbe. Die noch weitgehend unberührte Natur mit ihren vielfältigen Landschaften, Flussauen und Gebirgen und die einmalige Unterwasserwelt dieses glasklaren, unendlich tiefen Sees zeigt dieses Buch in großartigen Fotos. Mythen und Legenden, Aufzeichnungen und Erinnerungen der russischen Autorin Ljudmila Feierabend zaubern für den Leser ein Bild des "Heiligen Meeres", wie es bisher noch nie zu sehen war. Rund um den Beikal und seien entlegenen Täler entführt dieses Buch Naturfreunde, Russlandfans und Taucher.

Michael Feierabend
taucht seit 40 Jahren und ist Foto Instructor des Verbands deutscher Sporttaucher.

Seine Unterwasserfotografien waren bei nationalen und internationalen Fotowettbewerben erfolgreich.

Seine Reportagen erscheinen regelmäßig in wichtigen Natur- und Fotomagazinen.

Baikal-Bilder Über- und Unterwasser



Ljudmila Feierabend-Perednewa
wurde am Baikal geboren und verbrachte dort ihre Kindheit.

An der Kunsthochschule in Irkutsk wurde sie zur Malerin ausgebildet.

Sie ist Mitglied des russischen Kunstmalerverbandes und arbeitet seit 1989 als freischaffende Malerin. Ihre Bilder wurden auf zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen gezeigt.
Ljudmila Feierabend-Perednewa - Baikal, Schamanen und mehr

Baikalmadonna - eine Honepage von beiden Autoren

Freitag, 22. Mai 2009

Stefan Zweig: Sternstunden der Menschheit

Stefan Zweig
Sternstunden der Menschheit - Vierzehn historische Miniaturen
Fischer TB, voraussichtlich ab 14. Juli 2009, 288 S., brosch., ISBN 978-3-596-90196-8, € (D) 8,00, € (A) 8,30, SFR 15,00
»Immer müssen Millionen müßige Weltstunden verrinnen, ehe eine wahrhaft historische, eine Sternstunde der Menschheit, in Erscheinung tritt.« Stefan Zweig hat beispielhaft vierzehn von ihnen in einer aus der Malerei übernommenen Form nachgezeichnet: als Miniatur. Sie lesen sich überaus anschaulich, plastisch und mitreißend, weil, wie er es nannte, hier die Geschichte selbst »als Dichterin, als Dramatikerin waltet«. Seinen Ruhm aber hat dieses Buch vor allem begründet, weil diese Darstellung nun schon Generationen zu einem wirklichen, fast unmittelbaren Verständnis für Geschichte, der politischen ebenso wie der der Entdeckungen und der künstlerischen Leistungen, verholfen hat. Darin liegt ein unverlierbares Verdienst des dem Humanen verpflichteten Schriftstellers. Menschliche Größe und Schwäche, Schicksal und Charakter sind, so lehrt es diese Sammlung, die bestimmenden Faktoren unseres Lebens von jeher gewesen und werden es bleiben.
Der Autor Stefan Zweig wurde am 28. November 1881 in Wien geboren, lebte von 1919 bis 1934 in Salzburg, emigrierte von dort nach England und 1941 nach Brasilien. Sein episches Werk machte ihn ebenso berühmt wie seine historischen Miniaturen und die biographischen Arbeiten. Am 23. Februar 1942 schied er in Petrópolis, Brasilien, freiwillig aus dem Leben. Seine von einer vergangenen Zeit erzählenden Erinnerungen »Die Welt von Gestern« erschienen posthum. - Ausführliche Buchbeschreibung in Wikipedia

Dienstag, 19. Mai 2009

Junge Türkin in den 70er Jahren in Ost/West-Berlin

Emine Sevgi Özdamar
Seltsame Sterne starren zur Erde
KiWi TB, Kleist-Preis 2004, 256 S., ISBN: 978-3-462-03428-8, Euro (D) 8.95, sFr 16.50, Euro (A) 9.30
Berlin, Mitte der 70er Jahre. Eine geteilte, eingeklemmte Stadt, und doch voller heftiger und stiller Aufbrüche in Ost und West. Genau dorthin zieht es 1976 eine junge türkische Schauspielerin aus Istanbul, noch niedergedrückt von Erinnerungen an die Militärdiktatur im eigenen Land, aber mit einem großen Traum: Das Theater Bertolt Brechts an der Ostberliner Volksbühne kennen zu lernen.
Mit staunenden Augen und umwerfendem Witz erzählt Emine Sevgi Özdamar von einem Berlin, das kein Deutscher so je gesehen hat: Das Leben ihrer WG-Mitbewohner im Westberliner Wedding und ihrer Ostberliner Freunde in Pankow, die türkischen Einwanderer in der Nachbarschaft, die politischen Ereignisse des »deutschen Herbstes« und – vor allem – ihre heftige Liebe zum Theater Heiner Müllers und Benno Bessons. Als Regieassistentin an der Volksbühne hält sie die Proben zu Müllers Die Bauern und Goethes Bürgergeneral in faszinierenden Skizzen fest, die diesem ganz besonderen Buch einen zusätzlichen Reiz und dokumentarischen Wert geben.
Mit zwölf Jahren spielt sie ihre erste Theaterrolle am Staatstheater Bursa im »Bürger als Edelmann« von Molière. 1965-67 Aufenthalt in Berlin, Arbeit in einer Fabrik. Theaterrollen: Weihnachtstod, Buch, Regie Franz Xaver Kroetz, Kammerspiele München; Im Dickicht der Städte von Bert Brecht, Freie Volksbühne Berlin; Faust, Regie E. Schleef, Frankfurter Schauspielhaus; Die Trojaner von Berlioz, Regie Berghaus, Frankfurter Oper; Drei Schwestern von Anton Tschechow, Théatre de la Ville, Paris, Regie Matthias Langhoff, Die Troerinnen von Euripides, Théatre Amandière, Paris, Regie Matthias Langhoff.
Buchbesprechung von Siglinde Geisel (Auszug): " ... Die Perspektive der jungen Frau von damals musste Özdamar bei diesem Buch nicht aus der Erinnerung holen. Sie konnte Tagebuchpassagen wörtlich zitieren, denn in der Langsamkeit der DDR hatte sie damals begonnen, Tagebuch zu schreiben. Zunächst pendelte sie jeden Tag von West nach Ost. «Mich hat die Mauer nie interessiert, und ich habe damals auch nie an die Stasi gedacht.» Über die Mauer hätte jeder schreiben können, und es wäre immer Ähnliches dabei herausgekommen. Doch Emine Sevgi Özdamar schreibt mit der Stimme ihres früheren Ichs über das, was niemand anders erlebte und sah. Wer sonst hätte von den Türken berichtet, die in Ostberlin als Westler galten und sich dort eine Freundin suchten, bei der sie assen und wohnten, und die doch jeden Tag einmal rüber mussten, weil sie auch kein Dauervisum hatten. Wenn die Erzählerin wieder in den Westen geht, staunt sie jedes Mal, dass es jenseits der Mauer auch geregnet hat ... " Zur Buchbesprechung

Sonntag, 17. Mai 2009

"Manchmal denke ich, manchmal bin ich."

Thomas Ebers, Markus Melchers, Gudrun Pawelke
WissensWelten Philosophie
Hanser Verlag, 28 S. mit Ausklapptafeln und zahlreichen farbigen Abbildungen, Pappband, ISBN-10: 3-446-23088-2, ISBN-13: 978-3-446-23088-0, € 24,90
Wie dachte man in der Antike? Was ist das Revolutionäre am Denken der Aufklärung? Und welche philosophischen Ideen prägen unsere Gegenwart? Wer die Antworten darauf sucht, ist in "WissensWelten Philosophie" bestens aufgehoben. Neun Zeitalter der Menschheit wie das Mittelalter, die Renaissance oder die Industrialisierung werden in ihrer Einzigartigkeit vorgestellt. Auf praktischen Aufklappseiten mit Zeit- und Übersichtstafeln und den bedeutendsten Philosophen liefert das Buch die wichtigsten Daten aus Politik, Wissenschaft und Kultur. Philosophische Fragen, die zum Denken anregen, und Originaltexte von Philosophen in Einsteckfächern zum Herausnehmen laden zu einem Spaziergang durch die verschiedenen Epochen ein. Mit zahlreichen farbigen Abbildungen.
Rezension Lernklick (Auszug): " ... Neun großformatige Doppelseiten führen durch die Welt der Philosophie von der Antike über das Mittelalter, die Renaissance, die Aufklärung, das Bürgertum, die Industrialisierung, die Welt des 1. und 2. Weltkriegs, die Nachkriegszeit bis ins Jetzt ... Eine Extra-Spalte ist den Gedankenspielen vorbehalten. Hier folgen Die Grundfrage, Die moralische Frage und Die Grenzfrage aufeinander ... Aus Zitaten, philosophischen Fragestellungen, Einblicken in die geschichtlichen und politischen Entwicklungen ab der Antike ist ein Buch entstanden, das zum Nachdenken und Weiterlesen animiert ... " - Zur Rezension

Freitag, 15. Mai 2009

Über die zerbrechliche Zuneigung zweier Jungen

Meg Rosoff
Damals, das Meer
ab 14 Jahren, Carlsen Verlag, Übersetzt von Brigitte Jakobeit, geb.mit Schutzumschlag, 240 S., ISBN 978-3-551-58196-9, € (D) 14,90, € (A) 15,40, sFr 27,50
"Ich bin hundert Jahre alt, ein unmögliches Alter, und meine Gedanken sind nicht in der Gegenwart verankert. So driften sie dahin und landen fast immer am gleichen Ufer. Heute, wie an den meisten anderen Tagen, ist es das Jahr 1962. Das Jahr, in dem ich die Liebe entdeckte. Ich bin wieder sechzehn." Wie ich Finn traf? Und die kleine, windschiefe Hütte direkt an Meer fand, angefüllt vom ewigen Rauschen der Wellen, mit dem prasselnden Kaminfeuer und der wärmenden Suppe? Das war, als ich auf mein drittes Internat kam, St. Oswald, mit seiner Kälte, seinem Drill und seinem erbärmlich schlechten Essen. Und ich suchte nur eine Zuflucht ... Leseprobe (pdf)
Rezension in Zeit online (Auszug): " ... St. Oswald ist eine Dressuranstalt für Widerlinge oder Versager, und beide Wege stehen dem Neuankömmling, der leidet, sich aber zu arrangieren weiß, offen. Bis er beim Schullauf durch ein verlassenes Fischerdorf dem Jungen Finn begegnet und eine neue, alles umstürzende Regel lernen muss: »Nicht jeder ist Regeln unterworfen.« Finn erscheint als ein etwa gleichaltriger, ansonsten höchst rätselhafter Junge. Hat ihn seine Mutter wirklich, wie er sagt, als Baby verlassen? Wurde seine Geburt tatsächlich nie registriert? War er seit dem Tod seiner Großmutter, all die Jahre, wirklich allein? Fest steht, dass Finn allein in einer von der Flut umspülten Holzhütte lebt, Fische fängt, sich als Handlanger verdingt. Und dass sein Lächeln »ein Loch in die Welt brennen« könnte ... " - Zur Rezension

Lotte mit den großen Ohren - von Liza Dorogova

Eine Geschichte

Heute bekam ich Post aus Rußland, von Liza, die die regelmäßigen Leser unseres Blogs ja bereits kennen: ein kleines, gedrucktes und bebildertes Heftchen mit ihren Kurzgeschichten. Bisher wußte ich nur, daß sie auch dichtet (ihre Gedichte hat sie auf ihren Webseiten veröffentlicht. Hier habe ich euch mal eine der Geschichten mit einem (natürlich von ihr gemalten Bild) gescannt:

Lotte aus dem Blumentopf

...und einmal hab ich die Lotte aus dem Blumentopf gesehen. Sie bemutterte die Veilchen. Früher war es immer ein Geheimnis für mich, warum die Veilchen so gepflegt aussahen, obwohl niemand sich um sie kiimmerte.

Lotte hatte viel zu tun. Als ich sie zum ersten Mal sah, war sie gerade bei der Arbeit. Lotte musste nicht nur im Blumentöpflein aufräumen, sondern sich auch um die Baby-Veilchen sorgen. Mit Wasser begiessen, die Babys ins Bett bringen. Ein richtiges Zubettgehen ist das nicht, denn Blumenbabys haben ja keine Beinchen, aber sich mit Blätterchen zudecken – das können die kleinen Veilchen schon gut.

In ihrer Freizeit guckt Lotte gern aus dem Fenster heraus - was draußen in der grossen Welt alles los ist. Und wenn die Oma abends mit ihren Märchen beginnt, wird Lotte ganz Ohr.

Jetzt sind wir mit Lotte gut befreundet und sie hat mir verraten, wofür sie ihre großen Ohren braucht: sie müsse doch hören, was die zartstimmigen Veilchen sagen!

Mit so einer Freundin kann nie von Langeweile die Rede sein, oder?

Montag, 11. Mai 2009

Johann Heinrich Jung-Stilling in Marburg (Roman)

Nicole Vogel
Licht in Marburgs Gassen - Aus dem Leben von Jung-Stilling
Francke Buchhandlung 2008, 288 S., brosch., ISBN-10: 3868270248, ISBN-13: 978-3868270242, € 12.95, € (A) 13.40, SFr 23.40
Wir schreiben das Jahr 1787. Gespannt erwarten die Bürger des beschaulichen Univer-sitätsstädtchens Marburg den Einzug des neuen Professors Jung-Stilling. Unter ihnen ist auch Elise Coing, eine aufgeweckte junge Frau, die sich von den gesellschaftlichen Konventionen jener Zeit eingeengt fühlt. Sie freut sich besonders auf die Anreise des bekannten Professors, Schriftstellers und Augenarztes. Als er endlich eintrifft, ist sie allerdings enttäuscht, weil er ihren Erwartungen so gar nicht entspricht. Seine Frau Salome hingegen wird zu ihrer besten Freundin. Nicht zuletzt durch sie lernt Elise den Professor besser zu verstehen – so gut, dass sie mit der Zeit mehr für den faszinierenden Mann empfindet als schicklich ist ...Doch wie kann Gott nur zulassen, dass sie solche Gefühle für einen verheirateten Mann entwickelt? Dann, eines Tages, äußert Salome eine schockierende Bitte ...
Prolog: Die Kutsche rollte langsam, von müden Pferden gezogen, auf Marburg zu. In ihr saßen ein Mann mittleren Alters und eine junge Frau. Während der Mann in einen beschriebenen Bogen Papier vertieft war, blickte die Frau nachdenklich aus dem Fenster und sah, wie der Ort zäh näher kam. In der Ferne konnte sie schon das Universitätsgebäude sehen und die Brücke, über die sie bald in ihren letzten Lebensabschnitt gelangen würde. Sie wusste, dies war das letzte Mal, dass sie sich in einer neuen Stadt niederlassen würde. Doch es machte ihr nichts aus. Die Menschen würden sie zwar alle vermissen, aber sie war sich sicher, dass sie in dieser Stadt bis zu ihrem Ende glücklich sein würde.
Die Sonne stand hoch am Himmel und war dennoch kaum dazu in der Lage, die dichten Wolkenmassen zu durchbrechen. Nicht ein Lichtstrahl schaffte es, die dick zugefrorene Lahn zu erhellen. In der Kutsche war es so düster, dass die Frau das Gesicht des Mannes kaum sehen konnte. Während sie an ihre Kinder dachte, wusste sie instinktiv, dass sie nur noch wenige Winter miteinander verbringen würden. Es war mehr als eine Vorahnung. Sie wusste genau: Hier würde der Tod Einzug halten ... Leseprobe und Johann Heinrich Jung-Stilling (Wikipedia)

Sonntag, 10. Mai 2009

8 353 Kilometer mit dem Fahrrad

Christoph D. Brumme
Auf einem blauen Elefanten - 8 353 Kilometer mit dem Fahrrad von Berlin an die Wolga und zurück
Dittrich Verlag 2009, 192 S., Landkarten und Fotos, geb., ISBN: 978-3-937717-32-6, 19,80 €
Auf einem ganz normalen Tourenfahrrad macht sich Christoph D. Brumme im Mai 2007 auf den Weg nach Saratov in Russland. Viel zu gefährlich!, warnen ihn Freunde und Bekannte, Russen, Ukrainer und Deutsche. Doch Brumme möchte die unbekannte Wirklichkeit erforschen. Er träumt davon, in der Wolga zu schwimmen, im Mondschein in der Steppe zu schlafen und sich das Rauchen abzugewöhnen. Nach acht Tagen durch Polen erreicht er die ukrainische Grenze. Es zieht ihn dorthin, wo mehr Nutz- als Zierpflanzen in den Gärten stehen. »Die Leute mit den Nutzpflanzen sind die besseren Erzähler. Die Zierpflanzen-Besitzer verfügen über ein Konto, sie haben Kaufverträge abgeschlossen, und bei ihnen kann man viel kaputt oder schmutzig machen. Das wirkt sich auf die Bereitschaft zum Erzählen aus.« Bald trifft er auch frühmorgens die »Räuber und Banditen«: Sie arbeiten im Regen auf den Feldern und tragen Stützstrümpfe und Hörgeräte aus den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts.
Die größte Entdeckung sind jedoch die Buswartehäuschen. Seit Jahrzehnten werden sie mit Mosai-ken gestaltet, eines schöner als das andere. Er fotografiert die farbenfrohen Zeugen der Geschichte und diskutiert mit Passanten über die sowjetische Zeit. Das Diktiergerät hat Brumme sich um den Hals gehängt, so kann er Einfälle und Beobachtungen auch während des Fahrens festhalten. Er arbeitet als Tellerwäscher und in einer Brigade von Bauarbeitern, trifft weise Offiziere und einen Drogenfahnder, er lernt ein betrunkenes Dorf kennen. Er wird eingeladen, beschenkt und bestaunt.
Das Radfahren wird zunehmend zu einem Rausch. Brumme hält sich selbst und den Ziegen am Wegrand Vorträge, denkt über das Schreiben nach und erinnert sich an Schachpartien. Wer mit ihm reist, wird reich belohnt. Die vielen Begegnungen fügen sich zu einem farbigen Porträt der Länder in der »Schwarzen Mitte Europas«, über die wir Westeuropäer noch viel zu wenig wissen. Anhand von Übersichtskarten kann der Leser die einzelnen Etappen der Tour de Wolga nachvollziehen. Eine Auswahl der Buswartehäuschen wird auf einem farbigen Innenteil dokumentiert. "Tagesspiegel"-Interview mit dem Autor - "GEO"-Interview mit dem Autor - Blog des Autors - Literaturfunk

Donnerstag, 7. Mai 2009

Die Brüder Humboldt

Manfred Geier
Die Brüder Humboldt - Eine Biographie
rowohlt 2009, Hardcover, 352 S., ISBN 978-3-498-02511-3, 19,90 €
INHALT:
1. Kapitel: Eine traurige frühe Jugend - Warum die beiden Kinder die Natur lieben, während sie sich von den Menschen gequält fühlen
2. Kapitel: Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen - Wie die Jugendlichen in den Kreis der Berliner Aufklärer geraten, und was sie von ihnen lernen
3. Kapitel: Der erste Schritt in die Welt - Wie die beiden Studenten ihren Geist bilden und ihre ersten Freundschaften schließen
4. Kapitel: Zu den Gegenständen selbst - Was Alexander und Wilhelm auf ihren Reisen an den Rhein beobachten und erfahren
5. Kapitel: Augenzeuge von merkwürdigen Begebenheiten - Wie die Brüder Humboldt die Französische Revolution erleben und Auswege aus ihren eigenen Krisen suchen
6. Kapitel: Jeder Mensch muß ins Große und Ganze wirken - Warum sich Wilhelm auf sich selbst konzentriert, während Alexander dem Leben auf der Spur ist
7. Kapitel: Jenaer Verhältnisse - Wie sich die Brüder mit Goethe und Schiller anfreunden und ihre klassischen Ideen vom Ganzen entwickeln
8. Kapitel: Welch ein Genuß! - Wie Alexander endlich nach Amerika gelangt, und was er von dort seinem Bruder Wilhelm berichtet
9. Kapitel: Vor der Welt muß man das Vaterland ehren - Warum Wilhelm von Humboldt Politik für Deutschland macht, während Alexander immer französischer wird
10. Kapitel: Ich bereue nicht, was ich gethan habe - Wie die Brüder Humboldt im Alter doch noch das Glück genießen, gemeinsam an einem Ort zu leben und ihre Lebenswerke schreiben zu können
Anmerkungen – Literaturhinweise – Namenregister - Bildnachweis ... Leseprobe
Rezension Deutschlandfunk (Auszug): " ... Geiers beherrscht das Material so gut, dass er die Lebensgeschichten der Brüder nicht nur parallel, sondern in ihren kleinsten Verflechtungen erzählen kann. So sehr sich Wilhelm mit Caroline zum ruhigen, sesshaften, geistig erfüllten Leben bestimmt sieht - "Den Wirkungskreis klein machen, um groß werden und sein zu können!" fasst Geier zusammen - , so sehr nimmt Alexander im Vorfeld der Amerika-Reise Abstand vom Häuslichkeitsmodell: "Alles was auf bürgerliche Verhältnisse Bezug hatte, wurde mir verächtlich." ... Manfred Geier versucht gar nicht erst, die Werke der Humboldts zu durchstreifen. Es wäre auf gut 300 Seiten unmöglich. Auch Alexanders Reise wird gekonnt gerafft. Geier entwirft vor allem das grandioses Lebenseintrittspanorama von zwei Menschen, die aufs Ganze aus waren. Alexanders aufs Ganze der Natur, Wilhelm aufs Ganze von Sprache und Denken, beide auf ein konzentriertes Leben mit allem Drum und Dran ..." - Zur Rezension

Mittwoch, 6. Mai 2009

Das Mittelmeer und seine spannende(n) Geschichte(n)

Báltasar Porcel
Das Mittelmeer - Eine stürmische Reise durch Zeiten und Kulturen
Transit Verlag, Aus dem Katalanischen übersetzt von Kirsten Brandt, 400 S., gebunden mit Schutzumschlag, sw- und Farbabbildungen, ISBN 978-3-88747-237-5, € 24,80 (D), CHF 44,–
Ein Ereignis: die Kulturgeschichte des gesamten Mittelmeerraums, leidenschaftlich erzählt, voller Entdeckungen, außergewöhnlicher Ereignisse und wunderbarer Gestalten.
»Dieses Buch könnte sowohl als Kulturgeschichte wie als Reiseführer beschrieben werden, es ist aber weit mehr als das: die Figuren, die die Landschaft dieses Buchs bevölkern, stehen symbolisch für die Welle der Humanität, die das Mittelmeer immer wieder in Bewegung gehalten hat.« Mit diesen Worten lädt uns Baltasar Porcel auf eine Reise ein, auf der er mit seinem feurigen Geist die Namen und die Regionen des Mittelmeerraums leuchten lässt: Homer und die Renaissance-Künstler, das Venedig der Dogen und Suleiman der Prächtige, Karthago und Granada und von da nach Malta und Jerusalem, Christopher Columbus, die Straßen von Marrakesch und die grünen Küsten von Mallorca. Das Mittelmeer, eingefasst von drei Kontinenten, ist die Wiege einer Zivilisation, deren Ursprünge gefunden werden können im Nil-Delta, auf den Weiden im Süden Andalusiens und im Atlas-Gebirge. Getragen von den Gezeiten der Geschichte und der Mythen bricht Porcel auf zu einer faszinierenden und poetischen Reise, die persönliche Erfahrung mischt mit historischer Kennerschaft. - Leseprobe mit Bildern
Rezension dradio (Auszug): " ... Den Leser erwarten 22 Essays, die chronologisch die Geschichte des Mittelmeers schildern; Porcel beginnt vor 20 Millionen Jahren und spannt den Rahmen bis in die Jetztzeit. Hauptstationen des Buches sind meist die bekannt großen Epochen und Kulturen, also zum Beispiel Pharaonen, Griechen, Römer, Juden, Christen, Muslime, Renaissance, Barock, Napoleon und in der Moderne auch Faschismus, Bootsflüchtlinge usw. "Das Mittelmeer" ist eine Tour de force durch die Historie, erzählt von einem gestandenen Schriftsteller, - jeder Essay eine Art Kamingeschichte; Porcel eröffnet seine Kapitel meist szenisch, um Intimität zu schaffen; in jenem über die Piraterie im Mittelmeer beginnt Porcel mit seiner eigenen Kindheit in seinem mallorquinischen Heimatdorf, mit schaurigen Liedern über Piraten, die den Autor als Kind ... den Leseeindruck prägen erstens essayistische Reflexionen, zweitens historische wie literarische Zitate, drittens Porcels brillante Reisebeschreibungen und viertens detailreiche historische Abhandlungen, die hier und da allerdings einen größeren Überblick vermissen lassen, wie zum Beispiel das Kapitel 18 über die Seefahrt des 15. Jahrhunderts. Sollte dem Leser der Text passagenweise zu professoral werden, so sei ihm geraten, zwei, drei Seiten zu überblättern, - er wird versöhnt. - Zur Rezension

Dienstag, 5. Mai 2009

Ein kleines Buch über große Fragen

Robert C. Solomon
Das kleine Buch der Philosophie
Siedler Verlag, Aus dem Amerikanischen von Erich Ammereller, geb., Leinen mit Schutzumschlag, 160 S.,ISBN: 978-3-88680-918-9, € 16,95 [D], € 17,50 [A], CHF 30,90
Indem Robert C. Solomon nach dem Selbst und dem Selbstbewusstsein, nach Wahrheit und Wissen, Freiheit, Glück und Moral fragt, führt er uns anhand von ganz konkreten Beispielen sehr anschaulich vor Augen, dass wir Philosophie auch in unserem Alltag erleben und leben können. Die Philosophie ist ein Gespräch mit einer dreitausendjährigen Geschichte. Robert C. Solomon macht den Leser mit der Kunst des Philosophierens vertraut, indem er von diesem großen Gespräch erzählt und dabei zu eigenen Gedanken und Ideen anregt. Gleichsam im Spaziergang durch die Geschichte der Philosophie lässt er die wichtigsten europäischen, aber auch chinesischen, indischen und antiken Denker zu Wort kommen und bietet so einen hervorragenden Einstieg in grundlegende philosophische Fragen, Begriffe und Lebensweisen.
Amüsant und tiefgründig zugleich liest sich dieses Buch als eine Aufforderung, vor der Philosophie und ihren größten Köpfen nicht in Ehrfurcht zu erstarren, sondern seinem eigenen Verstand zu vertrauen und selbst nach Antworten auf die existenziellen Fragen des Lebens zu suchen. - Aus dem Inhalt: Das klassische Erbe der Philosophie • Gott, Natur und Spiritualität • Die Philosophie, das Glück und die Bedeutung des Lebens
Rezension dradio Kultur (Auszug): " ... Es gibt zwei einander eng verwandte Genres von Büchern, welche Philosophen meist erst gegen Ende ihres Lebens schreiben: Da sind die großen Was-ist-Philosophie?-Abhandlungen ... Und zweitens die kleinen Einführungen in die Philosophie, in denen sie interessierten Laien möglichst knapp und klar erzählen möchten, was es mit der Philosophie auf sich hat. Zur letzteren Sorte gehört "Das kleine Buch der Philosophie" des amerikanischen Philosophen Robert C. Solomon ... und es ist ein besonders schönes Exemplar seiner Art. Solomon gelingt es ganz hervorragend, in sieben kurzen Kapiteln einige der wichtigsten klassischen Themen der Philosophie gut verständlich, ohne Fachjargon und auf anregende Weise einzuführen: vom Rätsel des Bewusstseins und der Frage nach Gott und Natur, über Rationalität und Skeptizismus bis hin zum Problem von Freiheit und Verantwortung und der Suche nach dem guten Leben. Dabei steht für Solomon weniger die Vermittlung von Wissen im Vordergrund; es geht ihm ganz offensichtlich nicht darum, Philosophie im Sinne eines Grundkurses zu lehren. Vielmehr bemüht er sich überall darum, ganz allgemein zu zeigen, wie philosophische Fragen entstanden sind, und warum sie immer noch relevant sind ... Solomon beschränkt sich hier nicht wie viele Philosophiehistoriker auf die alten Griechen und die westliche Philosophietradition, sondern er zeigt die Verbindung dieser Tradition erstens mit den gleichzeitig sich entwickelnden Religionen und zweitens auch mit außereuropäischen Denktraditionen, der Philosophie im alten China, dem indischen Denken ... Zur Rezension

Donnerstag, 30. April 2009

Blind durch die ganze Welt

Jason Roberts
Die ganze Welt im Sinn - Wie der blinde James Holman zum größten Reisenden der Geschichte wurde
gebunden mit Schutzumschlag, 496 S. mit Abbildungen, ISBN: 978-3-89667-372-5, € 21,95 [D], € 22,60 [A], CHF 38,90
England 1811. Als Kind hatte er davon geträumt, die ganze Welt zu sehen, als Zwölfjähriger trat er in den Dienst der Royal Navy. Kaum erwachsen geworden, erblindet James Holman vollständig. Doch anstatt sich in das Schicksal eines bettelnden Invaliden zu fügen, erfüllt er sich seinen Traum und schreibt Geschichte. Auf sich allein gestellt bereist Holman sämtliche Kontinente und avanciert zur herausragenden Figur des ausgehenden Entdeckerzeitalters. Obwohl er sie nicht sehen konnte, erlebte James Holman so viel von der Welt wie kaum ein Mensch vor ihm. Er bestieg den Vesuv während eines Ausbruchs und erfror beinahe in sibirischer Gefangenschaft, er jagte wilde Elefanten auf Ceylon und Sklavenhändler vor der afrikanischen Küste. Anderthalb Mal umrundete Holman den Globus, der Schiffsjunge aus Exeter wurde gefeierter Autor, respektierter Wissenschaftler und Günstling des britischen Königshauses, der Charles Darwin und Richard Burton zu seinen Bewunderern zählte. Zu einer Zeit, da die Weltkarten noch mehr weiße Flecken als gesicherte Erkenntnisse aufwiesen, nahm der »Blinde Reisende« stoisch jede Strapaze auf sich, um per Schiff, zu Pferde und vor allem zu Fuß das Unbekannte und Entlegene zu erkunden. Wo andere zeitgenössische Entdecker verdreckte Wilde, exotische Käferarten und unbenannte Berggipfel vorzufinden meinten, lernte Holman fremde Sprachen, Freunde fürs Leben und sich selbst kennen. – Die Sehnsucht nach Freiheit und Individualität, eine einsame Seele, die sich wider alle Vernunft einen Weg bahnt: Mit seinem international erfolgreichen ersten Buch legt Jason Roberts nicht nur eine einfühlsame und erstaunliche Biografie vor, sondern auch ein tiefenscharfes Panoramabild der Romantik.
Rezension Deutschlandfunk (Auszug): " ... Juni 1821. Der Vesuv schleudert Felsbrocken, Lava und Asche aus seinem Krater. In der Luft dampft Schwefelgeruch. James Holman steht am Rand des Kraters und stochert mit dem Gehstock in der heißen Erde. Der Mann ist blind - und völlig unerschrocken. Erst als ihm die Hitze beinahe die Schuhsohlen verbrennt, kehrt er mit seinen Begleitern um. Einige Kilometer den Berg hinab erreichen sie die Klause eines Eremiten, und Holman notiert in das Gästebuch: "Der Hindernisse gibt es vielerlei - doch weder find ich sie, noch ruf ich sie herbei."
Schon in der ersten Szene von Jason Roberts' Buch wird klar, dass diese Geschichte voller Abenteuer und schier unglaublich ist. Aber sie ist wahr. James Holman, 1786 als Sohn eines Apothekers im Südwesten Englands geboren, beginnt mit zwölf Jahren seine Karriere in der Royal Navy. Als er 25 Jahre ist, muss er wegen anhaltendem Rheuma den Dienst quittieren. Doch es kommt schlimmer: Während einer Kur bekommt Holman Augenschmerzen und erblindet innerhalb weniger Wochen. Alle Versuche der Heilung schlagen fehl - und Jason Roberts beschreibt ohne Pathos, wie sich Holman mit Tast- und Gehörsinn die Welt neu erschließen muss ... " Zur Rezension

Mittwoch, 29. April 2009

Jiddu Krishnamurti

Jiddu Krishnamurti
Du bist die Welt - Reden und Gespräche
fischer-TB, 160 S., brosch., ISBN 978-3-596-14480-8, € (D) 8,95, € (A) 9,20, SFR 16,80
Jiddu Krishnamurti war ein Redner, der sich auf unvergleichliche Weise auf die Kunst des Vortrags und des Dialogs verstand. Inhalt seiner Vorträge und Diskussionen waren nicht philosophische Theorien, sondern aktuelle Menschheitsfragen, Fragen von Krieg und Frieden, von Natur und Kultur, von Gegenwart und Zukunft. Krishnamurti war ein zutiefst skeptischer Denker. Sein Vertrauen in den Menschen als Gattung war nicht sonderlich groß. Zumal in seinen letzten Jahren warnte er, angesichts von Natur- und Menschenvernichtung, von Übertechnisierung und Massenkonsum und der ungerechten Verteilung von Reichtümern auf der Welt, vor der drohenden Menschheitskatastrophe. Er wurde nicht müde, zur Besinnung und zur Änderung unserer oberflächlichen Auffassung vom Menschen aufzurufen. Krishnamurti vermittelt uns eine an keinem Ideal und an keiner Tradition orientierte, lebensnahe »Kunst des Lernens«, die zur Weltoffenheit führt und dem Menschen ein Zusammenleben in Freiheit möglich macht.
" ... Ganz gleich, ob wir uns Kommunisten oder Kapitalisten, Hindus oder Buddhisten, Moslems oder Christen nennen, ob wir blind, gelähmt oder gesund und glücklich sind - diese Erde ist unsere Erde.
Verstehen Sie das? Es ist unsere Erde, nicht die von irgendjemand anderem, es ist nicht nur die Erde der Reichen, und sie gehört nicht nur den mächtigen Herrschern und Grundbesitzern, sondern es ist unsere Erde, Ihre und meine.
Wir sind unbedeutende Leute, und doch leben wir auch auf dieser Erde, und wir alle müssen zusammen leben. Die Welt gehört den Armen ebenso wie den Reichen, den Analphabeten genauso wie den Gebildeten. Es ist unsere Welt, und ich denke, dass es sehr wichtig ist, das zu fühlen und die Erde zu lieben ... " Jiddu Krishnamurti Gesprächskreis Stuttgart

Welt-Weisheit in deutscher Sprache - Historisches

Josef Bordat
Förderer der deutschen Sprache - Start einer Serie auf LEO ("lingua et opnio")
Unsere deutsche Muttersprache hat viele Väter. Sie haben jeder auf seine Weise die deutsche Sprache gefördert und geprägt. Immer in Konkurrenz mit anderen Sprachen wie Latein oder Französisch hat die deutsche Sprache eine spannende Geschichte hinter sich. LEO hat sich auf die Spuren begeben und ist dabei interessanten Persönlichkeiten begegnet.
Christian Wolff entwickelt zur Zeit der Aufklärung Grundbegriffe der Philosophie in der Volkssprache und trägt damit dem Bildungsideal seiner Epoche Rechnung
Der deutsche Universalgelehrte, Jurist und Mathematiker Christian Wolff (geboren 1679 in Breslau, gestorben 1754 in Halle) ist einer der wichtigsten Philosophen aus der Zeit zwischen Leibniz und Kant. Niemand verkörpert das Anliegen der Aufklärung in Deutschland besser. Wolff gilt als derjenige, der das von Leibniz errichtete philosophische System aufgriff und dessen Thesen zur Metaphysik und Ethik verbreitete. Dazu ordnet er Leibnizens disparates Gedankengut und kleidet es in ein strengeres terminologisches Gewand. Wolff bereitet so die reiche Ideenwelt des letzten Universalgenies Leibniz für die akademische Lehre auf und macht sie allgemein verständlich für die interessierte Öffentlichkeit verfügbar. Das Motiv dieses Vorgehens lässt sich mit einem Wort benennen: Bildung ...
... Wolff stärkte die deutsche Sprache, indem er als einer der ersten Philosophen einen großen Teil seines Werks auf Deutsch publizierte und seit 1707 in Halle Vorlesungen in deutscher Sprache hielt, da er der Meinung war, dass „unsere Sprache zu Wissenschafften sich viel besser schickt als die lateinische“ ... Zum Artikel

Das sind die Mitglieder der LEO-Redaktion

Sonntag, 26. April 2009

Kurze Geschichte des Lesens

"Im Urbeginne war das Wort" (Joh 1:1)
Dann wurde das Wort Schrift

Lesender, um 1300 v. Chr., Neues Reich, Ägypten
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Lorenzo Costa, Maria Verkündigung - Lesende Maria
Gemäldegalerie, Dresden, Holz, 61 X 62 cm
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Albrecht Dürer, Hieronymus im Gehäus, 1514
Kupferstich, © Albertina, Wien
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Pablo Picasso, La lecture, fond rouge (1953)
Großes Bild: OPP.53:199








Kurzer, geschichtlicher Abriß auf Volkslesen

Freitag, 24. April 2009

Kindern in Not helfen

Anlaufstellen und Sicherheitskurse für Kinder
Die Kelly-Inseln sind sichere Anlaufstellen in einer Stadt oder Gemeinde. Das Logo in den Geschäften, kirchlichen und öffentlichen Einrichtungen signalisiert Kindern, dass sie hier Hilfe bei großen oder kleinen Problemen bekommen können.
Zum Beispiel Esslingen, Baden-Württemberg: Kinder können in ungewohnte und auch gefährliche Situationen geraten. In einem Sicherheitskurs erlernen sie kindgerecht und spielerisch, wie man Gefahren frühzeitig erkennt und richtig reagiert. Dabei steht Selbstbehauptung im Vordergrund. Erfahrene Trainerinnen und Trainer, die im Arbeitskreis Gewaltprävention bei der Polizei (nicht nur in) Esslingen mitwirken, leiten die Kurse nach bestimmten Qualitätsstandards, wie vom Landeskriminalamt Baden-Württemberg empfohlen. Die Kurse sind altersgerecht ab dem Vorschul- und Grundschulalter aufgebaut.
Kelly-Inseln existieren derzeit nicht nur im Kreis Esslingen, sondern auch bereits in anderen Kommunen Deutschlands: Aichtal - Aichwald - Altbach - Altenriet - Baltmannsweiler - Bempflingen - Beuren - Deizisau - Denkendorf - Dettingen unter Teck - Erkenbrechtsweiler - Esslingen am Neckar - Filderstadt - Frickenhausen - Hochdorf - Kirchheim unter Teck - Kohlberg - Köngen - Leinfelden-Echterdingen - Lichtenwald - Neckartailfingen - Neckartenzlingen - Neuffen - Neuhausen auf den Fildern - Notzingen - Nürtingen - Oberboihingen - Ostfildern - Plochingen - Reichenbach an der Fils - Weilheim an der Teck - Wendlingen am Neckar - Wernau - Wolfschlugen. Außerdem noch in: Duderstadt - Igersheim - Illertissen - Korb - Lindau - Schönberg - Singen - Tauberbischofsheim - Waiblingen - Weinstadt - Wertheim
Auf den Webseiten der Kelly-Inseln findet ihr weitere, hilfreiche Informationen

Donnerstag, 23. April 2009

Cannabis - Booklet "Grasfrei - nur für heute", kostenlos als PDF


Kann denn Cannabis überhaupt so gefährlich sein und auch abhängig machen?
Ja. Cannabis macht heutzutage genau so abhängig wie Alkohol.
Gezielte Züchtungen haben dazu geführt, dass die Droge seit den 80er Jahren sehr viel stärker geworden ist.
So enthielt jamaikanischen Gras im Durchschnitt 2,3 % THC (1976), Gras von 1999 aus den Niederlanden 9% und heutzutage (2003/2004) enthält es durchschnittlich 20%. Würde man den Wirkstoffgehalt THC mit dem Alkoholgehalt eines Getränks vergleichen, so entspräche das Marihuana von 1970 einem Glas Bier, das Marihuana von heute der gleichen Menge Wodka. Inzwischen (2008) wird immer wieder von vereinzelt extrem hohen THC–Werten berichtet (bis über 50%), allerdings sind die Durchschnitts-THC-Werte bei Kontrollen in niederländischen Coffee Shops wieder gesunken von 20% (2004) auf 16% (2007).
Die Ergebnisse neuerer wissenschaftliche Studien zeigen auch deshalb immer stärker beträchtliche gesundheitliche Gefahren auf. Neben einem erhöhten Psychose-Risiko treten oftmals Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Schwung- und Antriebslosigkeit, Interessenverlust, Depressionen sowie auch Persönlichkeitsveränderungen, Angst- und Erregungszustände, Suizidneigung, Verwirrtheitszustände, Verfolgungsideen und Aggressivität auf, die selbst dann, wenn sie schon massive Beschwerden verursachen, nicht mit dem Cannabiskonsum in Verbindung gebracht werden.
Ein weiteres Problem ist das frühe Einstiegsalter, das z.T. bei 13 Jahren und darunter liegt. Die Langzeitfolgen dieses frühen Konsums, seine Auswirkungen auf das sich noch in der Entwicklung befindende Gehirn, sind noch weitgehend unerforscht. Als sicher gilt mittlerweile, dass sich das Risiko des Ausbruchs einer Psychose mit jungem Einstiegsalter und hohem Konsum stark erhöht -

Dienstag, 21. April 2009

Humboldt-Jahr 2009: 150. Todestag am 6. Mai

Alexander von Humboldt, Oliver Lubrich (Hrsg.)
Das große Lesebuch
Fischer Taschenbuch Verlag, 352 S., brosch., ISBN 978-3-596-90162-3, € (D) 13,50, € (A) 13,90, SFR 24,90
Der große Naturforscher und Reiseschriftsteller Alexander von Humboldt erlebt seit einigen Jahren eine erstaunliche Renaissance. Wissenschaftlich und literarisch zugleich, lassen uns seine Schriften staunen über den Reichtum der Natur, und sie wecken die Sehnsucht nach einem Verständnis fremder Kulturen. Dieses attraktive Lesebuch, herausgegeben von dem Humboldt-Kenner Oliver Lubrich, bietet eine repräsentative Auswahl aus dem Gesamtwerk, mit ausnahmslos ungekürzten Texten im originalen Wortlaut.
»Er ist sicher eine der merkwürdigsten Naturen, die es je gegeben hat«, schrieb sein Bruder Wilhelm von Humboldt im Jahr 1817. Seine Reisen finanzierte er selbst. Forschen hieß für ihn selbst erleben, selbst erfahren, selbst erleiden. In Lateinamerika gilt er als Freiheitsheld und »wahrer Entdecker« des Kontinents, in Europa als letzter großer Universalgelehrter, in Deutschland als größter Forschungsreisender der Nation ... Umfangreiche Informationen zu Alexander von Humboldt auf dem Humboldt-Portal

Montag, 20. April 2009

Internationale Freiwilligendienste: Konferenz "und jetzt?" (siehe auch Video - einfach abwärts scrollen)

undjetzt?! - Forum für internationale Freiwillige und ihre Erfahrungen

Mit undjetzt?! öffnen wir das Forum für internationale Freiwillige und ihre Erfahrungen. Titel der Rückkehrerkonferenz ist zugleich Programm: „und jetzt?!“

- 5 Tage Austausch, Begegnung und Projekte mit

- bis zu 250 TeilnehmerInnen, die sich entwicklungspolitisch und zivilgesellschaftlich engagieren,

- 20 WorkshopleiterInnen, die ihre Expertise an junge Leute weitergeben möchten,
- 10 VortragsrednerInnen, die zur Auseinandersetzung mit interessanten Themen einladen.

Das Organisationsteam der Konferenz besteht aus jungen Leuten, die selber Erfahrungen in Freiwilligendiensten gesammelt haben und diese als Grundlage für die Vorbereitung nutzen. Eine Konferenz von Freiwilligen für Freiwillige.

Du hast dich mindestens sechs Monate freiwillig in einem so genannten Entwicklungsland engagiert. Du bist bereits seit einiger Zeit zurück in Deutschland, machst eine Ausbildung, studierst oder stehst schon im Berufsleben. Neben all dem willst Du an Deine Erfahrungen und Ideen aus dem Freiwilligendienst anknüpfen oder bist schon aktiv. engagierst dich bereits.
Dann bist Du bei der undjetzt?!-Konferenz genau richtig ... Konferenz-Homepage

Montag, 13. April 2009

100 Menschen packen ihren "letzten" Koffer

Einmal Jenseits und zurück - Ein Koffer für die letzte Reise
Herausgegeben von Fritz Roth
Gütersloher Verlagshaus 2008, 224 S. mit zahlr. farb. Fotos Klappenbr., ISBN 978-3-579-03251-1, EUR 19,95 [D], EUR 20,60 [A], SFr 34,90
Den Koffer packen für die letzte Reise. Ein Projekt des Trauerbegleiters Fritz Roth.
Der unkonventionelle und bekannte Trauerbegleiter Fritz Roth hat 100 Menschen einen Koffer zugeschickt mit der Bitte, diesen für ihre letzte Reise zu packen. Die Adressaten waren Frauen und Männer, alt und jung, Künstler und Handwerker, Prominente und Nicht-Prominente. Ein Anliegen dieser Aktion war es, sich zu besinnen: auf die Endlichkeit jeden Lebens, auf die Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod, auf das, was jedem/jeder Einzelnen wichtig ist. Die Inhalte der Koffer sind so vielfältig wie die Menschen und ihre Biografien, ihre Träume und Weltanschauungen. Dieses ungewöhnliche Buch bildet die Koffer zusammen mit einem Foto und persönlichen Briefen der jeweiligen Person ab. In der Gesamtschau ergibt sich ein berührendes, faszinierendes Bild dessen, was uns wirklich nahe ist - oder dessen Nähe wir uns wünschen. Buchvorstellung und Eröffnung der Wanderausstellung am 19. Mai im "Haus der menschlichen Begegnung" in Bergisch Gladbach. Mitgemacht haben u.a. Franz Alt, Alexander von Schönburg, Gerd Scobel, Susanne Fröhlich, Purple Schulz und viele mehr.

Warum unsere Gesellschaft behinderte Menschen braucht

Peter Radtke
Der Sinn des Lebens ist gelebt zu werden - Warum unsere Gesellschaft behinderte Menschen braucht
Verlag Sankt Michaelsbund 2007, 192 S., fest geb., ISBN 978-3-920821-98-6, € (D) 12,90, € (A) 13,30, SFr 19,00
Dieses schmerzhaft genaue Buch enthält Aufsätze und Vorträge von Peter Radtke. Selbst schwer behindert, denkt er nach über den Begriff der Normalität. Er will wissen, was Selbstbestimmung für Menschen mit einer Behinderung bedeuten kann. Besonders engagiert setzt er sich mit der pränatalen Diagnostik und der Palliativmedizin auseinander. Die Begriffe „Freiheit, Autonomie und Selbstbestimmung“ werden ebenso thematisiert wie „Ethik in der Medizin“ oder „Zeit und Raum aus der Sicht behinderter Menschen“. Leidenschaftliche Plädoyers mischen sich mit nachdenklichen, einfühlsamen Kommentaren und Beschreibungen. In diesem Buch werden Fragen der Ethik neu verhandelt - nein, nicht verhandelt, sondern klargestellt. Wer dieses Buch gelesen hat, sieht behinderte Menschen mit anderen Augen an als bisher. Und er wird dem Autor beipflichten: „Die Gesellschaft braucht den Behinderten, um sich die Frage stellen zu können: Was ist der Mensch? „Einen Augenblick nicht auffallen, einen Augenblick wie die anderen sein: Fisch unter Fischen. Die Heringsschwärme ziehen nach Süden. Ein einziger Fisch, der nach Norden strebt“ (Peter Radkte).

Leseprobe: " ... Wenn ich versuche, eine Antwort darauf zu geben, warum unsere Gesellschaft behinderte Menschen braucht, so handelt es sich beim Objekt meiner Überlegungen um zwei Pole, die mir gleich wichtig sind: Um Menschen, die eine Behinderung aufweisen, und um die Gesellschaft als Ganzes, das heißt die Pluralität einer Gemeinschaft, in welcher das behinderte Individuum nur ein Mosaikstein unter anderen ist, allerdings ein unentbehrlicher, wie ich fest überzeugt bin. Um meine Haltung begreifl ich zu machen, möchte ich zuerst von jenen Erfahrungen und Erlebnissen berichten, die zu meiner heutigen Einstellung beigetragen haben.
Da war zunächst einmal vor vielen Jahren ein Religionslehrer. Durch einen schlimmen Unfall wurde er querschnittgelähmt und war seither – in diesem Sonderfall sei mir ausnahmsweise der nachfolgende Ausdruck erlaubt – an seinen mächtigen Elektrorollstuhl gefesselt … Eines Tages hörte ich diesen Mann einen Vortrag halten, der mir nicht mehr aus dem Kopf gehen sollte. Er führte, vielleicht in überzogener, aber doch überzeugender Weise, seinen Zuhörern vor Augen, dass der geistig behinderte Mensch in Wirklichkeit all jene Tugenden und Qualitäten in sich vereine, die wir beim mehr oder minder nichtbehinderten Zeitgenossen meist vergeblich suchen: Toleranz, Spontaneität, Ungekünsteltheit, Fehlen von Konkurrenzdenken, belassen wir es bei diesen Werten ...
... Ich bin Schriftsteller, Schauspieler, Akademiker, hauptamtlicher Redakteur einer Fernsehsendung und einiges andere mehr. Aber wenn ich irgendwo zitiert werde, wenn ein Artikel über mich in der Presse erscheint, heißt es in der Regel stets »der Behinderte«, »der Schwerbehinderte«, »der Schwerstbehinderte«. Es ist dies ein ganz typisches Phänomen, nicht nur bei mir, sondern bei Menschen mit einer Behinderung allgemein. Neben allen anderen Eigenschaften, und zum Großteil sie überlagernd, steht eben die Behinderung. Sie färbt alle Aussagen, welche über die Person gemacht werden, selbst dort, wo sie von keinerlei Belang wäre. Dem entspricht dann auch die sprachliche Gepflogenheit, das substantivierte »der Behinderte« oder »die Behinderten« zu verwenden statt eine Wendung wie »der behinderte Mensch«, »der behinderte Bürger« oder »Menschen mit einer Behinderung« ...
... Es steht außer Zweifel – und ich muss es hier bewusst krass formulieren – der so genannte Nichtbehinderte betrachtet den behinderten Mitmenschen als eine Art Fehlmuster der Natur. Wie sonst ließe sich das Bemühen erklären, eben diese Natur zu überlisten, indem man gewissermaßen vor dem Produktionsausstoß die defekten Stücke analysiert, sie aussondert und auf diese Weise gar nicht erst in den Handel kommen lässt. Auch deuten sich bereits Möglichkeiten an, bei nachweislich fehlerhafter Konstruktionszeichnung das ganze Modell einzuziehen oder durch Korrekturen des Plans den Ist-Zustand dem Soll-Zustand anzupassen. Man verzeihe mir diese zugegeben despektierliche Ausdrucksweise. Die Form, mit der man, zumindest in Deutschland, Fragen genetischer Beratung, des Schwangerschaftsabbruchs oder der Gentechnologie behandelt, legt jedoch in der Tat den Vergleich mit Massenprodukten nahe. Kinder werden gewissermaßen gegen Bestellschein angefordert und, wenn sie den Erwartungen nicht entsprechen, kommentarlos zurückgeschickt. Wer Ausschussware (sprich: behinderte Nachkommenschaft) entgegen wohlgemeinter Ratschläge der einschlägigen Fachleute behält, ist an seiner Misere selber schuld und soll sehen, wie er mit der Belastung fertig wird ...
... Immer wieder betone ich, dass es meiner Auffassung nach keine eigentlichen Behindertenprobleme gibt. Die Probleme behinderter Menschen sind allgemein menschliche Probleme. Dadurch, dass sich der von Behinderung Betroffene ihnen quasi unausweichlicher als der so genannte Nichtbehinderte stellen muss, werden sie in einer Art Brennglas gebündelt. Prinzipiell gilt dies nun auch für das Menschsein. Ich glaube, die Gesellschaft braucht den Behinderten, um sich die Frage stellen zu können: Was ist der Mensch? Nur hier findet sie einen Ansatz, der nicht verbaut wird durch Nebensächlichkeiten. Je mehr der Suchende seine eigene Position erschüttert sieht, je bereitwilliger er sie sich erschüttern lässt, desto fruchtbarer kann die Analyse werden ... "

Dr. phil. Peter Radtke, geb. 1943. Sohn einer Krankenschwester und eines Schauspielers. Da die Volksschule ihn nicht aufnahm, wurde er privat unterrichtet. Nach einer Dolmetscherausbildung Abitur auf dem Zweiten Bildungsweg. Germanistik/Romanistik-Studium. Fachgebietsleiter für das Behindertenreferat der Münchner VHS. Geschäftsführer und Chef-Redakteur der Arbeitsge­meinschaft Behinderung und Medien. Schriftsteller und Schauspieler (u.a. Münchner Kammerspiele, Burgtheater Wien, Film). Präsident von EUCREA. Radtke ist Träger vieler Kulturpreise sowie des Bundesverdienstkreuzes. Mitglied des Nationalen Ethikrates, seit 2008 im Deutschen Ethikrat. Peter Radtke lebt – seit 2008 im Ruhestand – in München.